Das Analysehaus First Berlin Equity Research hat sein Rating für ABO Energy ausgesetzt. Grund ist der Entwurf eines Sanierungsgutachtens, das das Unternehmen zwar als sanierungsfähig einstuft – aber nur unter einer Bedingung: Bis Ende Juli muss eine tragfähige Sanierungsfinanzierung stehen. Bis dahin bleibt die Aktie aus Sicht des Researchhauses vorläufig unbewertbar. Die Uhr tickt.
Am Freitag schloss die Aktie bei 5,80 Euro, ein leichtes Plus von 0,69 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von 3,49 Prozent. Der RSI von 42,7 signalisiert weder Überverkauf noch Kaufsignal.
Bilanzielle Schieflage
Der bisherige Geschäftsverlauf 2026 hat zum Verlust der Hälfte des Grundkapitals geführt. Deshalb beruft ABO Energy eine außerordentliche Hauptversammlung nach § 92 AktG ein – formal kein Insolvenzgrund, aber eine Pflicht, die Schieflage offen zu legen.
Für 2025 rechnet die Geschäftsführung mit einem Minus von rund 170 Millionen Euro bei einer Gesamtleistung von etwa 230 Millionen Euro. Belastend wirken drastisch gesunkene Einspeisevergütungen und Wertberichtigungen von 35 Millionen Euro. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 55 Millionen Euro – ein Bruchteil des operativen Volumens.
Gründerfamilien verpfänden Aktien
Um die laufenden Kreditgespräche zu stützen, haben Personen aus den Gründerfamilien rund 1,86 Millionen Aktien außerbörslich verpfändet. Darunter 201.700 Stück von Dr. Jochen Ahn. Er und Matthias Bockholt halten gemeinsam rund 52 Prozent der Anteile. Eine Verpfändung ist keine Veräußerung, zeigt aber den engen finanziellen Spielraum.
Chief Restructuring Officer Britta Hübner zeigt sich zuversichtlich, bis Ende Juli eine Sanierungsfinanzierung zu erarbeiten.
Politischer Rückenwind, aber kein Ersatz
Die Energieminister der Länder stellen sich gegen den Redispatch-Vorbehalt von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Alle 16 Bundesländer stimmten dagegen. Branchenverbände hatten gewarnt, dass bis zu 70 Prozent der Verteilernetze betroffen sein könnten. Das gibt Projektentwicklern wieder mehr Planungssicherheit – doch für die Aktie zählt vor allem die Finanzierung bis Ende Juli.
Das operative Geschäft läuft trotz der Krise weiter. Bei der Mai-Ausschreibung der Bundesnetzagentur bewarb sich ABO Energy mit über 150 Megawatt Leistung. Möglich wurde das durch die Zustimmung der Gläubiger, die im März Sanierungsbeschlüssen mit über 99 Prozent zustimmten. Für den Solarpark Birkholz in Brandenburg erhielt das Unternehmen zudem einen Tarif.
Ausblick: Drei Prüfpunkte
Ein positives Konzernergebnis erwartet ABO Energy für 2026 nicht mehr. Die Rückkehr in die Gewinnzone beim EBITDA plant der Vorstand erst für 2027.
Der geprüfte Jahresabschluss für 2025 wird im Juni erwartet – der nächste Vertrauenstest. Spätestens bis Ende Juli muss das Finanzierungspaket stehen. Gelingt das, hätten Projektverkäufe und die geplante Direktvermarktung eine Chance, die 34-Gigawatt-Pipeline in belastbare Erträge zu übersetzen. Ohne Einigung bleibt selbst diese Pipeline vor allem ein Finanzierungsproblem.
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