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ABO Energy Aktie: Restrukturierung läuft

Der Projektentwickler ABO Energy schließt Stillhalteabkommen mit Kreditgebern, nachdem sich der prognostizierte Jahresverlust 2025 auf 170 Millionen Euro verdoppelt hat.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Stillhalteabkommen mit Gläubigern bis Februar 2026
  • Verlustprognose für 2025 auf 170 Millionen Euro erhöht
  • Metzler senkt Kursziel von 30 auf 10 Euro
  • Restrukturierungsgutachten soll Anfang Februar vorliegen

Der Projektentwickler für erneuerbare Energien ABO Energy kämpft ums Überleben. Nach drei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Monate hat das Unternehmen gestern ein Stillhalteabkommen mit seinen Kreditgebern geschlossen. Der erwartete Verlust für 2025 liegt bei 170 Millionen Euro – fast doppelt so hoch wie noch vor wenigen Wochen prognostiziert. Die Marktkapitalisierung ist auf magere 65 Millionen Euro geschrumpft.

Die wichtigsten Fakten:

  • Stillhalteabkommen mit Gläubigern bis Februar 2026 vereinbart
  • Verlustprognose 2025 von -95 auf -170 Millionen Euro erhöht
  • Metzler senkt Kursziel drastisch von 30 auf 10 Euro
  • Restrukturierungsgutachten soll Anfang Februar vorliegen

Gläubiger gewähren Atempause

Das gestern veröffentlichte Stillhalteabkommen umfasst syndizierte Kreditverträge, bilaterale Darlehen, ausgewählte Avallinien und Schuldscheindarlehen. Die Kreditgeber verpflichten sich, während der Verhandlungsphase keine Rechte aus möglichen Kündigungsgründen geltend zu machen. Auch die Gläubiger der Anleihen 2024/2029 und 2021/2030 sollen dem Abkommen beitreten – eine Abstimmung ohne Versammlung ist geplant.

Bis zur ersten Februarhälfte muss ein Restrukturierungsgutachten in Entwurfsform vorliegen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Finanzierungsinstitute mögliche Covenant-Verletzungen dulden und das Konzept überzeugt.

Dreifacher Gewinnschock innerhalb von vier Monaten

Die Dimension der Krise wird durch die Chronologie der Gewinnwarnungen deutlich:

Am 26. September 2025 kippte die Prognose erstmals von +29 bis +39 Millionen Euro auf -95 Millionen Euro. Die zweite Warnung folgte am 19. November. Am 15. Januar verdoppelte das Management den erwarteten Fehlbetrag nahezu auf rund 170 Millionen Euro bei einer Gesamtleistung von etwa 230 Millionen Euro.

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Verantwortlich für die jüngste Korrektur sind drei Faktoren: Verschiebungen von Rechteverkäufen für Wind- und Batterieprojekte in Deutschland im Umfang von rund 40 Millionen Euro, Wertberichtigungen von etwa 35 Millionen Euro sowie Verzögerungen bei der Fakturierung erbrachter Entwicklungsleistungen und Bauabnahmen.

Marktumfeld verschärft die Lage

Die Onshore-Windausschreibungen in Deutschland waren 2025 stark überzeichnet bei gleichzeitig deutlich reduzierten Einspeisetarifen. Große Windprojekte mussten ins Geschäftsjahr 2026 verschoben werden. Aufgrund niedrigerer Tariferwartungen waren erhebliche Sonderabschreibungen auf die Pipeline notwendig.

Der Verkauf der finnischen Pipeline an Fortum Oyj, der Ende November 2025 abgeschlossen wurde, brachte immerhin rund 40 Millionen Euro für 4,4 Gigawatt Projektpipeline. Zusätzliche Earn-Out-Zahlungen in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe sind an künftige Investitionsentscheidungen geknüpft.

Analysten sehen weiteren Abwärtsdruck

Metzler hat am 16. Januar das Kursziel von 30 auf 10 Euro gesenkt und warnt vor einer möglichen Abwärtsspirale, die Kunden abschrecken und weitere Verzögerungen verursachen könnte. Die Prognosen der Analysten für 2026 sehen einen Umsatz von 380 Millionen Euro bei einem EBIT von -15 Millionen Euro vor. Der Enterprise Value liegt bei 362 Millionen Euro – mehr als fünfmal so hoch wie die aktuelle Marktkapitalisierung.

Das Management hat ein Effizienz- und Transformationsprogramm gestartet und treibt die Transformation zu einem Independent Power Producer (IPP) voran. Prozesse, Strukturen und das Länderportfolio werden an das veränderte Marktumfeld angepasst. Die Erfolgsaussichten hängen davon ab, ob laufende Bauprojekte zügig fertiggestellt und verkauft werden können und das Restrukturierungsgutachten die Gläubiger überzeugt.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.