Ende Juli läuft die Zeit ab. Dann enden die Stillhalteabkommen mit den Banken — und ABO Energy braucht bis dahin ein tragfähiges Finanzierungspaket. Gelingt das nicht, droht Zahlungsunfähigkeit.
Halbes Grundkapital verloren
Für 2025 erwartet das Unternehmen einen Fehlbetrag von rund 170 Millionen Euro. Das zwingt zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung am 13. August in Wiesbaden. Dort stimmen die Aktionäre über Kapitalmaßnahmen ab, die den Fortbestand sichern sollen.
Ein Sanierungsgutachten bescheinigt dem Unternehmen grundsätzliche Sanierungsfähigkeit. Allerdings knüpft es diese an eine erfolgreiche Neufinanzierung mit den Bankpartnern. Den Jahresabschluss 2025 plant ABO Energy für den 22. Juni zu veröffentlichen — erst dann können Gläubiger die Lage vollständig beurteilen.
Gründer stehen persönlich ein
Die Gründerfamilien hinterlegen rund 1,86 Millionen eigene Aktien als Sicherheit bei den Banken. Mitgründer Dr. Jochen Ahn verpfändete dabei über 200.000 Anteilsscheine. Das Signal an die Finanzierungspartner ist klar: Die Gründer setzen persönlich auf die Zukunft des Unternehmens.
Parallel laufen die operativen Projekte weiter. Im Juni startete ABO Energy die Tiefbauarbeiten für das Repowering des Windparks Külsheim in Baden-Württemberg. Veraltete Anlagen sollen durch moderne Turbinen ersetzt werden, die Leistung steigt auf knapp 22 Megawatt. Das soll Gläubigern den Wert der Projekt-Pipeline belegen.
Rückenwind kommt aus der Politik: Die Bundesländer kippten den Redispatch-Vorbehalt des Wirtschaftsministeriums. Geplante Kürzungen bei Entschädigungen für Netzengpässe sind damit vom Tisch — ein wichtiger Einnahmeposten bleibt erhalten.
Aktie unter schwerem Druck
Die Unsicherheit schlägt sich im Kurs nieder. Die Aktie schloss am Freitag bei 4,46 Euro, ein Minus von rund 28 Prozent im Monatsverlauf. First Berlin Equity Research hat das Rating auf „Under Review“ gesetzt.
Für 2026 erwartet ABO Energy kein positives Konzernergebnis. Eine Rückkehr in die Gewinnzone auf EBITDA-Ebene strebt das Unternehmen frühestens für 2027 an. Ob die Banken bis Ende Juli mitziehen, entscheidet über alles.
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