Starke Wirksamkeit, aber ein Sicherheitssignal, das Fragen aufwirft — Abivax erlebt gerade, wie schnell sich eine Übernahme-Story drehen kann. Der Kurseinbruch nach den Phase-3-Daten hat nicht nur Milliarden an Börsenwert vernichtet. Er hat auch die M&A-Fantasie rund um den französischen Biotech-Konzern empfindlich getroffen.
Solide Wirksamkeit, komplizierte Sicherheitslage
Die klinischen Ergebnisse selbst waren kein Rückschlag. Abivax meldete am 1. Juni, dass beide Dosierungen seines Wirkstoffs Obefazimod den primären Endpunkt in der Phase-3-Studie ABTECT erreichten. Die placebo-adjustierten Remissionsraten lagen bei 39,3 Prozent (25 mg) und 40,3 Prozent (50 mg) nach 44 Wochen. Alle wichtigen sekundären Endpunkte wurden ebenfalls erfüllt.
Das Problem liegt in der Sicherheitstabelle. Abivax listete in der 50-mg-Gruppe Fälle von Prostatakrebs, Brustkrebs und kolischer Dysplasie auf — neben Nicht-Melanom-Hautkrebsfällen in beiden Dosierungsgruppen. Das Unternehmen betonte, die Krebs-Diagnosen seien von den Prüfärzten als nicht behandlungsbedingt eingestuft worden. Eine organspezifische Häufung habe man nicht beobachtet. Jefferies-Analysten warnten dennoch, dass die Krebsfälle ihre bisherigen Annahmen infrage stellten. Truist Securities sah die Sicherheit als zentrale offene Frage — und erwartete anhaltende Volatilität.
Übernahme-Spekulation verliert Schwung
Genau hier liegt der eigentliche Knackpunkt für Investoren. Abivax galt vor den Daten als potenzielles Übernahmeziel für Big Pharma. Im März hatte das Unternehmen Berichte über ein mögliches Interesse von AstraZeneca als „unbegründete Gerüchte“ zurückgewiesen. Ähnliche Spekulationen um Eli Lilly hatte der Vorstandsvorsitzende ebenfalls abgetan. Trotzdem hatte die M&A-Fantasie den Kurs mitgetragen.
Nach dem Datenschock ist aus dem klaren Übernahme-Momentum ein Abwarten geworden. Potenzielle Käufer müssen nun das Sicherheitsprofil bewerten — und das dauert.
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Kurs bricht ein, Kasse bleibt voll
Die Marktreaktion war heftig. In Paris fiel die Aktie am 2. Juni um rund 26 Prozent auf etwa 81,55 Euro. Das US-Listing zeigte noch stärkeren Druck: Die American Depositary Shares notierten bei 72,50 Dollar — ein Tagesverlust von über 57 Dollar gegenüber dem Vortagesschluss. Das Handelsvolumen überstieg 16 Millionen Stück.
Finanziell steht Abivax nicht unter Druck. Ende März verfügte das Unternehmen über knapp 492 Millionen Euro in Kasse und kurzfristigen Anlagen. Das reicht nach eigenen Angaben bis ins vierte Quartal 2027.
Den nächsten konkreten Prüfstein liefert der Zulassungsantrag bei der FDA, den Abivax für das vierte Quartal 2026 plant. Halbjahreszahlen folgen am 21. September 2026. Topline-Daten aus der Phase-2b-Studie zu Morbus Crohn erwartet das Unternehmen Mitte 2027. Bis dahin bleibt die zentrale Frage offen: Reicht das Wirksamkeitsprofil, um strategischen Wert zu erhalten — trotz eines Sicherheitspakets, das Regulatoren, Ärzte und potenzielle Partner erst noch einordnen müssen.
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