AbbVie greift tief in die Tasche. Für rund 10,9 Milliarden Dollar übernimmt der Pharmariese die klinische Biotechgesellschaft Apogee Therapeutics — und zahlt dafür 135,11 Dollar je Aktie in bar, ein Aufschlag von etwa 60 Prozent auf den zuletzt notierten Kurs.
Beide Verwaltungsräte haben dem Geschäft einstimmig zugestimmt. Der Abschluss ist für das dritte Quartal 2026 geplant, vorbehaltlich der Zustimmung der Apogee-Aktionäre und regulatorischer Genehmigungen.
Was AbbVie kauft
Im Zentrum steht Zumilokibart (APG777), ein Antikörper gegen IL-13 — einen zentralen Entzündungsbotenstoff bei Neurodermitis und Asthma. In einer Phase-2-Studie erreichten rund zwei Drittel der Patienten nach 16 Wochen eine deutliche Hautverbesserung. Besonders attraktiv aus AbbVies Perspektive: Die verlängerte Halbwertszeit des Moleküls ermöglicht Dosierungsintervalle von drei bis sechs Monaten — ein klarer Vorteil gegenüber bestehenden Therapien.
Hinzu kommt APG273, eine Kombination aus Zumilokibart und dem Anti-TSLP-Antikörper APG333, das in der Asthmabehandlung entwickelt wird. Phase-1-Daten zeigen, dass APG333 entzündungshemmende Marker bis zu sechs Monate nach einer einzigen Gabe unterdrücken kann.
Strategischer Schachzug gegen Dupixent
JPMorgan wertet den Deal als überzeugend strategische Ergänzung. AbbVies Spätphasen-Pipeline war zuletzt ein Kritikpunkt unter Investoren. Zumilokibart soll nach Einschätzung der Analysten direkt mit Dupixent konkurrieren — dem Blockbuster von Sanofi und Regeneron — und dabei mit seltenerer Dosierung punkten. Die Phase-3-Studie bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.
Dass der Deal gut ankommt, zeigte der Markt unmittelbar: Apogee-Aktien sprangen auf rund 140 Dollar — nahezu auf Höhe des Übernahmepreises.
Für AbbVie selbst erwartet das Management eine EPS-Verwässerung in den nächsten Jahren. Ab 2032 soll die Transaktion zum bereinigten Ergebnis je Aktie beitragen — ein langer Zeithorizont, der zeigt, wie weit die meisten Pipeline-Assets noch von der Marktreife entfernt sind. Das dürfte geduldige Aktionäre erfordern.
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