AbbVie lässt seine Aktionäre am Wachstum von Skyrizi und Rinvoq teilhaben: Das Unternehmen kündigte gestern eine höhere Quartalsdividende an. Sie steigt um 5,2 Prozent auf 1,82 US-Dollar je Aktie, beginnend mit der Zahlung im Februar 2027. Die beiden Immunologie-Medikamente gleichen die Umsatzverluste von Humira mehr als aus. Zugleich hob AbbVie nach besser als erwarteten Quartalszahlen seine Jahresprognose an.
Neue Wachstumsträger gleichen Humira-Rückgang aus
Im dritten Quartal 2026 erzielte AbbVie einen Umsatz von 17,404 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben von Reuters übertrafen sowohl die Erlöse als auch der bereinigte Gewinn die Analystenerwartungen.
Entscheidend ist dabei die Verschiebung innerhalb des Immunologiegeschäfts. Skyrizi und Rinvoq tragen das Wachstum, während Humira unter der Konkurrenz durch Biosimilars leidet. Damit hängt die Entwicklung des Konzerns nicht mehr in gleicher Weise vom früheren Umsatzträger ab.
Skyrizi erwirtschaftete im Quartal 5,776 Milliarden US-Dollar, Rinvoq kam auf 2,706 Milliarden US-Dollar. Dem stand ein Humira-Umsatz von 683 Millionen US-Dollar gegenüber.
Die beiden Wachstumsträger legten jeweils zweistellig zu. Das genügte nicht nur, um den Rückgang bei Humira aufzufangen: Auch das gesamte Immunologiegeschäft wuchs. Zusätzlichen Rückenwind lieferten die Neurowissenschaften mit Botox Therapeutic und Vraylar.
Allerdings entwickelt sich nicht jeder Geschäftsbereich gleich stark. Während der Umsatz mit neurowissenschaftlichen Medikamenten operativ um 19,5 Prozent zunahm, schrumpfte das Ästhetikgeschäft operativ um 1,8 Prozent. Der Wachstumsschwerpunkt liegt damit weiterhin bei den Immunologie-Medikamenten und den Neurowissenschaften.
Höhere Prognose mit klaren Einschränkungen
Die guten Ergebnisse schlagen sich im Jahresausblick nieder. AbbVie erwartet für 2026 nun einen bereinigten Gewinn von 13,95 bis 13,99 US-Dollar je Aktie. Auch die Umsatzprognose wurde angehoben.
Für Anleger ist dabei die Abgrenzung des bereinigten Ergebnisses wichtig. Die Prognose enthält bereits angefallene Belastungen aus erworbener Forschung und Meilensteinzahlungen. Nicht verlässlich prognostizierbare entsprechende Kosten nach dem dritten Quartal sind dagegen ausgeschlossen.
Der erwartete Jahresumsatz liegt bei rund 67,8 Milliarden US-Dollar. Im abgelaufenen Quartal erreichte der bereinigte Gewinn 3,82 US-Dollar je Aktie; nach Rechnungslegungsstandard GAAP waren es 2,37 US-Dollar.
Die Analysten ordneten das Übertreffen der Erwartungen zurückhaltend ein. Citi bezeichnete den Gewinnüberraschungseffekt als moderat. RBC erwartete keine wesentliche Veränderung der kurzfristigen Wachstumsperspektive. Die Zahlen stützen somit den bisherigen Wachstumskurs, liefern aus Sicht dieser Häuser aber keinen grundlegenden Anlass für eine Neubewertung.
Apogee soll langfristige Perspektiven erweitern
Neben der höheren Ausschüttung setzt AbbVie auf den Ausbau seiner Entwicklungspipeline. Die Übernahme von Apogee ist abgeschlossen. Vorstandschef Robert Michael erklärte laut Fierce Pharma, das Unternehmen prüfe weitere Transaktionen in Immunologie, Neurowissenschaften und Onkologie sowie im Bereich Adipositas.
Der Apogee-Kauf kostete 10,9 Milliarden US-Dollar. Nach Reuters soll die Transaktion den Gewinn bis 2027 belasten und ab 2032 zum Gewinn beitragen.
Damit stehen kurzfristige Ergebnisbelastungen einem langfristig erwarteten Nutzen gegenüber. Für die gegenwärtige Ausschüttung und den angehobenen Ausblick bleiben zunächst die etablierten Wachstumsträger entscheidend.
Als nächster operativer Prüfstein werden bis Jahresende Phase-3-Daten zu Rinvoq bei Hidradenitis suppurativa erwartet. Sie könnten zeigen, wie weit sich die Einsatzmöglichkeiten eines der wichtigsten AbbVie-Medikamente erweitern lassen.
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