Startseite » Europa-Märkte » ABB am Allzeithoch, Lufthansa streicht CityLine — Industriewerte im Spagat

ABB am Allzeithoch, Lufthansa streicht CityLine — Industriewerte im Spagat

ABB und SPIE profitieren von strukturellen Wachstumsthemen, während Lufthansa, Heidelberger Druck und Takkt mit hohen Kosten und strategischen Herausforderungen kämpfen. Die Branche zeigt eine deutliche Schere.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Lufthansa stellt Regionaltochter CityLine sofort ein
  • ABB vor Quartalszahlen auf Allzeithoch
  • Heidelberger Druck korrigiert Ergebnisprognose nach unten
  • SPIE schließt dritten Zukauf seit Jahresbeginn ab

Während ABB neue Kursrekorde feiert und SPIE den dritten Zukauf seit Jahresbeginn meldet, zwingt der Kerosinpreis Lufthansa zu einem drastischen Einschnitt. Heidelberger Druckmaschinen kämpft mit den Kosten seiner Rüstungswette, und Takkt wartet weiter auf die Trendwende. Fünf Industriewerte, fünf völlig unterschiedliche Realitäten.

Lufthansa: CityLine-Aus über Nacht

Die Nachricht kam ohne lange Vorwarnung. Lufthansa hat ihre Regionaltochter CityLine dauerhaft eingestellt — sämtliche 27 Flugzeuge wurden sofort aus dem Flugprogramm genommen. Für eine etablierte europäische Airline ist das Tempo dieser Stilllegung bemerkenswert.

Hintergrund: Die Kerosinpreise haben sich im Vergleich zur Vorkriegszeit mehr als verdoppelt. Zusätzlich haben Streikwellen die ohnehin angespannte Lage verschärft. CFO Till Streichert nannte die Maßnahme „unumgänglich“. Den rund 2.000 CityLine-Beschäftigten wurden Stellen in anderen Konzerntöchtern angeboten.

Die Restrukturierung geht in drei Wellen weiter:

  • Sofort: Alle 27 CityLine-Jets gestrichen
  • Sommer 2026: Ausmusterung der letzten vier A340-600 und Stilllegung zweier B747-400
  • Winter 2026/27: Weitere Reduktion im Kurz- und Mittelstreckenprogramm um fünf Maschinen

Hunderte Flüge verschwanden über Nacht aus den Buchungssystemen — vor allem Verbindungen von München nach Südosteuropa. Branchenexperten bezweifeln, dass die verlorene Kapazität im Hochsommer vollständig ersetzt werden kann. Höhere Ticketpreise und weniger Frequenzen sind die wahrscheinliche Folge.

Die Aktie verlor am Tag der Ankündigung mehr als 3,5 %. Bei aktuell 7,88 Euro notiert sie deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der RSI von knapp 25 signalisiert eine stark überverkaufte Situation. Morgan Stanley senkte das Kursziel im April auf 7,20 Euro, der Analystenkonsens aus 18 Einschätzungen liegt bei 8,70 Euro — mehrheitlich mit „Halten“-Empfehlung.

Heidelberger Druckmaschinen: Rüstungsambition frisst Marge

Der Traditionskonzern aus Heidelberg hat seine Ergebnisprognose kassiert. Statt einer Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (7,1 %) liegt die bereinigte EBITDA-Marge für das Geschäftsjahr 2025/26 vorläufig bei nur rund 6,6 %. Verantwortlich: ein schwächerer Produktmix und vor allem vorgezogene Investitionen in den Rüstungsbereich.

Die Kosten dieser strategischen Neuausrichtung schlugen besonders im März durch. Die Tochter HD Advanced Technologies hat mit dem US-israelischen Unternehmen Ondas Autonomous Systems das Joint Venture ONBERG gegründet. Am Standort Brandenburg an der Havel sollen knapp 380 Mitarbeiter autonome Drohnenabwehrsysteme für Flughäfen, Energieversorger und militärische Einrichtungen fertigen. Erste operative Tests unter Realbedingungen laufen bereits — mit Fokus auf Einsätze in Deutschland und der Ukraine.

Beim Umsatz und Auftragseingang liegt das Unternehmen währungsbereinigt im Plan. Die vollständigen, geprüften Jahreszahlen werden am 10. Juni veröffentlicht. Für Anleger wird dieser Termin entscheidend: Kann die vielversprechende Diversifikation langfristig auch die Profitabilität stärken?

Drei Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel von 2,25 Euro liegt deutlich über dem aktuellen Niveau. Die Spanne reicht von 1,70 bis 2,75 Euro.

ABB: Auf Rekordkurs vor den Quartalszahlen

ABB ist der klare Outperformer unter den fünf Titeln. Die Aktie markierte am 17. April ein neues Allzeithoch bei 75,48 CHF und notiert in Euro aktuell bei 82,00 — exakt auf dem Niveau des 52-Wochen-Hochs. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus knapp 30 %.

Am 22. April — also morgen — legt der Schweizer Technologiekonzern seine Q1-Zahlen vor. Der erwartete Umsatz liegt bei rund 8,5 Milliarden CHF. Ein einmaliger Sondereffekt wird die Zahlen aufhübschen: Aus dem Verkauf einer Immobilie in Zürich-Oerlikon an den Immobiliendienstleister Pensimo verbucht ABB einen operativen Vorsteuergewinn von etwa 290 Millionen CHF.

Hinter dem Sondereffekt steckt aber auch substanzielles Wachstum. Das Management prognostiziert für Q1 ein vergleichbares Umsatzplus von 7 bis 10 Prozent bei steigender Marge. Für das Gesamtjahr werden 6 bis 9 Prozent Wachstum und leicht höhere Profitabilität erwartet. Analysten sehen die stärksten Treiber im Rechenzentrumsgeschäft und in der Elektrifizierungssparte, wo die Auftragseingänge um rund ein Drittel zulegten.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Heidelberger Druckmaschinen?

33 Analysten taxieren den Nettogewinn 2026 im Schnitt auf 4,7 Milliarden CHF — rund 24 % über dem Wert der letzten zwölf Monate. Zusätzlich hat ABB ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu zwei Milliarden US-Dollar aufgelegt.

SPIE: Dritter Zukauf seit Jahresbeginn

Wenig Schlagzeilen, viel Substanz. So lässt sich SPIEs Strategie zusammenfassen. Der französische Industriedienstleister hat im April die Übernahme der tschechischen BLOCK Group vereinbart — einem Spezialisten für Reinraumtechnik mit Kunden in der Pharma-, Biotech- und Halbleiterbranche.

BLOCK Group erzielte 2025 einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro und beschäftigt etwa 160 Mitarbeiter. Es ist bereits der dritte Zukauf seit Jahresbeginn, nach SGS Industrial Services und ROFA Industrial AG. Alle Transaktionen wurden aus bestehenden Barmitteln finanziert.

Die Konzernzahlen untermauern den Kurs. SPIE erwirtschaftete 2025 einen konsolidierten Umsatz von 10,4 Milliarden Euro bei einem EBITA von 793 Millionen Euro. Mittelfristig peilt das Management eine EBITA-Marge von 8,0 % bis 2028 an. Auf der Hauptversammlung am 30. April soll die Dividende um acht Prozent auf 1,08 Euro je Aktie steigen.

Morgan Stanley stufte SPIE im April auf „Overweight“ hoch, Kepler Capital bestätigte sein Kaufvotum. Die Aktie notiert bei 47,36 Euro — nahe am 200-Tage-Durchschnitt und damit in einer technisch neutralen Zone.

Takkt: Dividendenstreichung und die Suche nach dem Boden

Takkt bleibt das Sorgenkind. Der B2B-Versandhändler für Geschäftsausstattung hat seit Jahresbeginn rund 22 % an Wert verloren. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Minus von knapp 60 %. Bei 2,96 Euro liegt der Kurs weit entfernt vom 200-Tage-Durchschnitt bei 4,04 Euro.

Die operativen Probleme sind tiefgreifend. Eine Goodwill-Abschreibung von 125 Millionen Euro wegen Schwierigkeiten im US-Geschäft belastete die Bilanz schwer. Der Vorstand schlug im Februar vor, die Dividende auszusetzen. Ein Novum, das die Dimension der Krise verdeutlicht.

Neues Gesprächsthema ist eine Governance-Entwicklung bei der Beteiligung Warteck Invest. Die Immobiliengesellschaft will eine Opting-up-Klausel einführen — die Aktionäre stimmen auf der Hauptversammlung am 20. Mai darüber ab.

Der Analystenkonsens sieht das Kursziel bei 5,80 Euro und empfiehlt die Aktie zum Kauf. Die Kluft zwischen Zielkurs und aktuellem Niveau spiegelt sowohl das Ausmaß der Herausforderung als auch die Geduld wider, die Analysten dem Stuttgarter Unternehmen zugestehen. Immerhin: In der letzten Woche legte die Aktie um gut 10 % zu. Ein erstes Lebenszeichen — ob daraus Nachhaltigkeit wird, müssen die nächsten Quartalszahlen zeigen.

Industriesektor zwischen Preissetzungsmacht und Zyklusabhängigkeit

Die Schere innerhalb der Branche könnte kaum größer sein. ABB und SPIE profitieren von strukturellen Wachstumsthemen — Elektrifizierung, Rechenzentren, Energiewende — und verteidigen ihre Margen mit Disziplin. Auf der anderen Seite stehen Lufthansa, Heidelberger Druckmaschinen und Takkt, die mit Kostenexplosionen, strategischen Umbrüchen oder schlicht fehlender Nachfrage ringen.

Der Makro-Hintergrund sortiert gnadenlos: Geopolitische Instabilität, volatile Energiepreise und Handelsunsicherheit bevorzugen Unternehmen mit Preissetzungsmacht. Wer auf eine zyklische Erholung angewiesen ist, wartet weiter.

Morgen liefert ABBs Quartalsbericht den nächsten Impuls. Anleger werden unter dem Sondereffekt der Pensimo-Transaktion vor allem nach organischem Wachstum in den Kernsparten suchen. SPIEs Dividendenvorschlag am 30. April, Heidelbergs Jahresbericht am 10. Juni und Takkts Warteck-Abstimmung am 20. Mai setzen die Taktung für die kommenden Wochen. Über allem schwebt die Frage, ob sich die Kerosinpreise stabilisieren — oder ob der nächste Kostenschub die ohnehin belasteten Geschäftsmodelle weiter unter Druck setzt.

Anzeige

Heidelberger Druckmaschinen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Heidelberger Druckmaschinen-Analyse vom 21. April liefert die Antwort:

Die neusten Heidelberger Druckmaschinen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Heidelberger Druckmaschinen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Heidelberger Druckmaschinen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Heidelberger Druckmaschinen

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.