ABB steuert auf die Quartalszahlen zu. Kurz davor setzt der Schweizer Industriekonzern gleich zwei operative Signale: einen milliardenschweren IT-Deal und eine Preiserhöhung im US-Motorengeschäft. Beide Schritte zielen auf dasselbe Ziel — mehr Marge.
TCS übernimmt die digitale Infrastruktur
Vor rund 48 Stunden wurde bekannt: ABB vergibt einen mehrjährigen Millionen-Auftrag an den indischen IT-Dienstleister Tata Consultancy Services. TCS soll künftig die globale digitale Infrastruktur des Konzerns betreiben.
Der Auftrag umfasst drei Bereiche. TCS betreibt ein KI-gesteuertes Network-as-a-Service, stärkt die Cybersicherheit und optimiert die IT-Systeme. ABB will damit seine operative Effizienz durch Automatisierung steigern.
Preise rauf beim US-Motorengeschäft
Parallel reagiert ABB auf den Kostendruck in der Lieferkette. Ab dem 15. Juli 2026 gelten neue Preise für Motoren der Marken Baldor-Reliance und ABB in den USA. Je nach Produktlinie steigen die Preise zwischen 3,4 und 15,0 Prozent, bei bestimmten IEC-Gussmotoren am stärksten.
Das Management begründet den Schritt mit gestiegenen Kosten entlang der Lieferkette. Marktbeobachter werten die Preisanpassung als Signal: ABB will seine Margen trotz volatiler Rohstoffpreise verteidigen — oder sogar ausbauen.
Analysten erwarten schwächere Marge im zweiten Quartal
Die Woche fällt mitten in die Berichtssaison. ABB legt in Kürze die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Analysten schauen besonders auf das Segment Elektrifizierung, das zuletzt von der Nachfrage nach Rechenzentren-Infrastruktur profitierte.
Der Marktkonsens laut AWP rechnet mit einem Auftragseingang von rund 10,48 Milliarden US-Dollar. Beim Umsatz erwarten Analysten etwa 9,45 Milliarden US-Dollar.
Bei der Marge wird es enger. Im ersten Quartal erreichte ABB eine operative EBITA-Marge von 23,5 Prozent, gestützt durch Immobilienerlöse. Für das reguläre Geschäft im zweiten Quartal rechnen Analysten nur noch mit rund 19,9 Prozent.
Aktie über dem langfristigen Trend
Die ABB-Aktie schloss zuletzt bei 90,06 Euro. In der vergangenen Woche gab das Papier um 2,17 Prozent nach, auf Monatssicht steht ein Minus von knapp einem Prozent. Seit Jahresbeginn bleibt die Bilanz mit einem Plus von 42,50 Prozent stark.
Zum 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro fehlen der Aktie noch 6,54 Prozent. Über die vergangenen zwölf Monate hat sich der Kurs um 75,69 Prozent erhöht. Der RSI von 46,8 signalisiert einen neutralen Bereich, ohne Überkauft- oder Überverkauft-Signal.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 74,43 Euro liegt bei knapp 21 Prozent. Das bestätigt den langfristigen Aufwärtstrend, den der Titel seit Monaten zeigt.
ABB hatte die Jahresprognose für 2026 bereits im April angehoben. Der Konzern stellt ein vergleichbares Umsatzwachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich in Aussicht. Ob die Preiserhöhungen und der TCS-Deal die Marge im zweiten Quartal tatsächlich stützen, zeigen die anstehenden Zahlen.
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