ABB baut in Indien Produktion und Forschung aus, muss dabei aber um qualifizierte Mitarbeiter konkurrieren. Wie Swissinfo gestern berichtete, zählt das Land für die Antriebstechnik bereits zu den wichtigsten Absatzmärkten. Für Anleger verbindet sich damit eine konkrete Wachstumschance mit einer operativen Herausforderung: Der Ausbau braucht Fachkräfte, während andere Unternehmen ebenfalls Personal suchen.
Investitionen treffen auf starken Personalbedarf
ABB investiert 2026 rund 75 Mio. US-Dollar in die indische Produktion und Forschung. Geplant sind mehr als 300 qualifizierte Arbeitsplätze. Antriebstechnik-Chef Brandon Spencer erwartet, dass der Umsatz seiner Sparte in Indien weiter deutlich wächst.
Der Standort ist dabei mehr als ein zusätzlicher Absatzmarkt. Das indische Forschungs- und Entwicklungszentrum ist das weltweit größte von ABB. Zugleich produziert das Unternehmen einen Großteil seiner für den heimischen Markt bestimmten Produkte direkt im Land.
Indien ist für Spencers Sparte nach den USA und China der drittgrößte Markt. Seit 2021 hat sich die dortige ABB-Belegschaft mehr als verdoppelt. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 11.000 Mitarbeiter im Land.
Diese Expansion trifft auf einen umkämpften Arbeitsmarkt. Swissinfo zufolge spürt ABB den Wettbewerb um junge Talente. Der Ausbau von Produktion und Forschung hängt damit nicht allein von der Nachfrage ab, sondern auch davon, ob das Unternehmen genügend qualifiziertes Personal gewinnt.
Antriebstechnik liefert eine breitere Wachstumsbasis
Im gestern veröffentlichten Interview verwies Spencer zugleich auf die Entwicklung der Sparte Motion. Sie erwirtschaftet konzernweit rund 25% des Umsatzes. Ihr Umsatz stieg neun Quartale in Folge; in Indien wuchs das Geschäft zwei Jahre hintereinander zweistellig.
Damit reicht die Wachstumsgeschichte von ABB über die Ausstattung von Rechenzentren hinaus. Gerade die Entwicklung der Antriebstechnik ist für Anleger wichtig, wenn sie die Abhängigkeit des Konzerns vom Ausbau der KI-Infrastruktur beurteilen.
Rechenzentren machten 2025 weniger als 5% des Motion-Umsatzes aus. Im gesamten ABB-Konzern lag ihr Anteil bei 9%.
Spencer erwartet für das laufende Jahr konzernweit einen Anteil im niedrigen Zehnerbereich. Das Geschäft gewinnt somit an Gewicht, stellt aber weiterhin nur einen Teil der Umsatzbasis dar.
Wachstum bleibt an Profitabilität gebunden
Für Indien hat Motion 2026 einen leichten Margendruck eingeplant. Die Marge der Sparte liegt insgesamt bei rund 19% und damit innerhalb ihres Zielkorridors von 18–22%.
Die indische Expansion ist deshalb nicht nur an zusätzlichen Umsätzen zu messen. Entscheidend ist auch, wie sich das Wachstum unter dem eingeplanten Margendruck entwickelt. Die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter gehört dabei zu den konkreten Aufgaben.
Für Anleger liefert Indien somit einen eigenständigen Ansatz zur Bewertung von ABB: Die Nachfrage wächst, Motion gewinnt Marktanteile und der Konzern erweitert seine lokale Basis. Zugleich zeigt der Wettbewerb um Talente, dass sich diese Chancen nicht ohne operative Hürden in profitables Wachstum übersetzen lassen.
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