ABB verzeichnet einen Rekord beim Auftragseingang, doch Goldman Sachs senkt das Kursziel. Der Grund ist nicht eine schwächere Einschätzung des Geschäfts: Analystin Daniela Costa hebt ihre Auftragsprognosen nach der positiven Überraschung im Bereich Elektrifizierung sogar an. Die niedrigere Branchenbewertung überlagert diesen Effekt. Für Anleger stehen damit operative Stärke und zurückhaltende Bewertung nebeneinander.
Goldman bleibt trotz besserer Auftragsaussichten neutral
Goldman Sachs hat das Kursziel für ABB heute von 82 auf 79 Franken gesenkt und die Einstufung „Neutral“ bestätigt. Die zugrunde liegende Studie erschien gestern. Costa reagiert mit höheren Auftragserwartungen auf das starke Elektrifizierungsgeschäft, sieht daraus aber keinen ausreichenden Ausgleich für die gesunkenen Bewertungsmaßstäbe der Branche.
Die Unterscheidung ist wichtig: Die Zielsenkung steht nicht für eine Kürzung der Auftragsprognose. Vielmehr wirken die operative Einschätzung und die Bewertung in entgegengesetzte Richtungen. Trotz des besseren Geschäftsausblicks bleibt das Anlageurteil unverändert.
Die ABB-Aktie verliert heute -3,5%. Damit geht die positive operative Entwicklung zumindest im heutigen Handel nicht mit steigenden Kursen einher. Die neutrale Empfehlung von Goldman Sachs unterstreicht die Zurückhaltung gegenüber dem Papier.
Auftragsrekord mit starkem Rechenzentrumsgeschäft
Im dritten Quartal 2026 erreichte der Auftragseingang 12.055 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Wachstum von 40%.
Besonders dynamisch entwickelten sich die Bestellungen aus dem Rechenzentrumsgeschäft mit einem dreistelligen Zuwachs. Der Auftragsrekord liefert damit einen konkreten operativen Hintergrund für Costas angehobene Erwartungen. Allerdings übertraf ABB die Markterwartungen nicht bei allen Kennzahlen.
Der Umsatz stieg um 14% auf 9.701 Millionen Dollar. Er lag damit 0,7% unter den Erwartungen.
Die leichte Umsatzverfehlung steht einer deutlich verbesserten Profitabilität gegenüber. Das Ergebnisbild fällt somit stärker aus, als der Umsatzvergleich mit den Schätzungen allein vermuten lässt.
Das bereinigte operative EBITA erhöhte sich um 24% auf 2.026 Millionen Dollar. Die entsprechende Marge erreichte 20,8%.
Damit verbindet ABB kräftiges Auftragswachstum mit einer höheren operativen Ertragskraft. Für die weitere Einordnung ist aber entscheidend, dass hohe Bestellungen und bereits verbuchte Umsätze unterschiedliche Größen sind. Der Auftragsrekord beseitigt die leichte Verfehlung der Umsatzerwartungen nicht.
Ausblick signalisiert geringeren saisonalen Margendruck
Für das vierte Quartal 2026 erwartet ABB ungefähr dieselbe vergleichbare Umsatzwachstumsrate wie im dritten Quartal. Die Marge soll gegenüber dem Vorquartal sinken. Der saisonale Rückgang dürfte nach Einschätzung des Unternehmens allerdings geringer ausfallen als gewöhnlich.
Diese Prognose verbindet anhaltendes Wachstum mit einer Einschränkung bei der Profitabilität. ABB stellt keine unveränderte Quartalsmarge in Aussicht, sondern einen weniger ausgeprägten saisonalen Rückgang.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet ABB eine Marge, die mindestens 2,7 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau liegt. Die nächsten Zahlen zum vierten Quartal werden am 28. Januar 2027 erwartet.
Die zentrale Spannung bleibt damit klar: Rekordaufträge und steigende Profitabilität stützen die operative Perspektive. Eine niedrigere Branchenbewertung kann den daraus entstehenden Rückenwind für die Aktie jedoch begrenzen. Genau diese Trennung prägt die aktuelle Einschätzung von Goldman Sachs.
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