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ABB Aktie: Auftragseingang springt um 30 Prozent

ABB meldet Bestwerte bei Aufträgen und Marge, kündigt aber eine teure Übernahme an. Analysten sehen operative Stärke, bewerten den Zukauf jedoch kritisch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Rekord bei Auftragseingang und Marge
  • Milliardenangebot für Rotork plc
  • Aktie reagiert mit Kursverlusten
  • Prognose für Gesamtjahr angehoben

ABB hat am 16. Juli 2026 Quartalszahlen vorgelegt, die in mehrfacher Hinsicht Rekordniveau markieren. Gleichzeitig kündigte der Industriekonzern eine milliardenschwere Übernahme an, die an der Börse zunächst skeptisch aufgenommen wurde. Die Kombination aus starkem operativem Geschäft und einem teuren Zukauf bestimmt seither die Diskussion um die Aktie.

Rekordauftragseingang und Margenhoch im zweiten Quartal

Der Auftragseingang kletterte im zweiten Quartal auf 12,042 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das operative EBITA legte um 20 Prozent auf 1,93 Milliarden US-Dollar zu, die operative Marge erreichte mit 20,2 Prozent einen neuen Bestwert. Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 1,23 Milliarden US-Dollar stehen. Auf Basis dieser Entwicklung hob ABB die eigene Prognose für das Gesamtjahr 2026 an: Das Unternehmen rechnet nun mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen bis unteren Teens-Bereich.

Milliardenübernahme von Rotork überschattet die Zahlen

Parallel zu den Quartalszahlen legte ABB ein verbindliches Barangebot zur Übernahme des britischen Durchflusskontroll-Spezialisten Rotork plc vor. Der Konzern bietet 503 Pence je Aktie und damit rund 5,5 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen. Anleger reagierten reserviert: Am Tag der Ankündigung gab die ABB-Aktie laut Reuters um rund 3 Prozent nach, da der Kaufpreis als hoch eingestuft wurde.

Finanziert werden soll der Zukauf unter anderem über den Verkauf der Robotics-Sparte an die SoftBank Group. Der Deal soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden und ABB netto 4,8 Milliarden US-Dollar einbringen – Mittel, die laut Reuters gezielt für die Rotork-Akquisition vorgesehen sind. Bereits einen Tag zuvor, am 15. Juli, hatte ABB zudem die Übernahme des französischen Siliziumkarbid-Spezialisten Advantics bekanntgegeben, mit der das Portfolio für industrielle Mikronetze erweitert werden soll. Der Vollzug dieser kleineren Transaktion ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

Analysten sehen operative Stärke, aber Bewertungsfragen

Die Kursreaktion auf den Rotork-Deal beschäftigte auch die Analystenzunft. RBC hob am 21. Juli 2026 das Kursziel für ABB von 81 auf 83 Schweizer Franken an, beließ die Einstufung aber bei „Sector Perform“ – die Anhebung begründete die Bank mit der starken operativen Quartalsleistung. Berenberg bestätigte einen Tag zuvor, am 20. Juli, das Rating „Hold“ bei einem Kursziel von 80 Schweizer Franken. Analyst Richard Dawson wertete die Rotork-Übernahme zwar als strategisch sinnvoll, verwies aber ausdrücklich auf Bedenken hinsichtlich der Bewertung des Zukaufs.

Rückkaufprogramm läuft weiter, nächster Termin im Oktober

Unabhängig von den Übernahmeplänen setzt ABB das laufende Aktienrückkaufprogramm fort. Zwischen dem 9. und 15. Juli erwarb der Konzern über eine separate Handelslinie an der SIX Swiss Exchange insgesamt 57.500 eigene Aktien. Die nächste wichtige Wegmarke für Anleger ist der 15. Oktober 2026, wenn ABB die Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht.

Am Kapitalmarkt hat sich die Skepsis rund um den Rotork-Deal in den Kursverlauf eingeschrieben. Der Schlusskurs von zuletzt 86,22 Euro liegt rund 10,52 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro aus dem Juni. Auf Monatssicht büßte die Aktie 8,14 Prozent ein – ein Rückgang, der zeitlich mit der Ankündigung der Übernahme zusammenfällt. Trotz der jüngsten Schwäche bleibt der Titel auf Jahressicht deutlich im Plus.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.