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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

T1 Energy Aktie: Kommt die erste Zelle aus Austin rechtzeitig?

T1 Energy hat über 4 GW für 2027 gebunden; der Produktionsstart in Austin ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.

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Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Mehr als 4 GW für 2027 vertraglich gebunden
  • Austin soll Anfang 2027 erste Zellen liefern
  • Dallas verarbeitet derzeit importierte Solarzellen
  • Förderfrist könnte Lieferungen 2028 erschweren

Fünf Tage vor den Zahlen zum dritten Quartal am 12. November hat T1 Energy nach eigenen Angaben mehr als 4 GW der für 2027 geplanten Kapazität unter Vertrag, zuletzt unter anderem mit Tochtergesellschaften von Avantus.

Das Modulwerk in Dallas arbeitet mit importierten Zellen, während das eigene Zellwerk in Austin noch gebaut wird. Dieter Jaworski fragt bei solchen Geschichten zuerst, was im Kurs schon als erledigt gilt, und deshalb sprechen wir mit ihm über die Lücke zwischen Unterschrift und Fabrik.

T1 Energy (US35834F1049) — Schlusskurse 12.05.2026 bis 06.11.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.11.2026.

T1 Energy (US35834F1049) — Schlusskurse 12.05.2026 bis 06.11.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.11.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Angenommen, T1 meldet am 12. November eine Produktion am oberen Ende des eigenen Ziels für 2026. Wäre dann nicht der wichtigste Zweifel ausgeräumt?

Dieter Jaworski: Ausgeräumt wäre der Zweifel, über den ohnehin jeder redet. Dass Dallas Module bauen kann, steckt längst im Kurs. Was ich kaum bepreist sehe, ist die Frage, aus welcher Zelle diese Module bestehen. Section 45X ist die US-Produktionsgutschrift, die für jedes in Amerika gefertigte Bauteil fließt. Sie ist der wirtschaftliche Hebel des ganzen Modells.

Solange Dallas eingeführte Zellen verbaut, fängt T1 nur einen Teil dieses Hebels ein und erreicht beim heimischen Wertschöpfungsanteil nicht das, womit das Unternehmen bei US-Bauherren punkten will. Ein schöner Gigawatt-Wert sagt mir deshalb wenig. Mich interessiert, wie viel Gutschrift pro verkauftem Modul tatsächlich hängen bleibt.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Da machen Sie es sich zu leicht. Ende Oktober kamen Abnahmeverträge über mehr als 1,58 GW dazu, damit sind über 4 GW für 2027 gebunden. Mehr Nachfragebeweis kann ein Hersteller vor dem Hochlauf kaum liefern.

Dieter Jaworski: Dass die Nachfrage da ist, bestreite ich gar nicht. Avantus unterschreibt nicht aus Höflichkeit. Ich würde allerdings anders fragen: Was ist ein Liefervertrag wert, wenn der Kunde selbst an einer Förderfrist hängt?

Die neuen Abnahmen reichen bis in Lieferungen 2028. Solarprojekte, die nach dem 4. Juli 2026 in den Bau gehen, verlieren die Projektförderung grundsätzlich, wenn sie nach dem 31. Dezember 2027 ans Netz gehen.

Für 2027 erzeugt das einen Vorzieheffekt, das stimmt. Für 2028 erzeugt es eine Kante. Die Lieferung 2028 ist die, bei der die Kundschaft am ehesten wackelt. Und ausgerechnet dann soll die eigene Zelle aus Austin in voller Breite im Modul stecken.

Kapitalmarktexperten Redaktion: „Die Lieferung 2028 ist die, bei der die Kundschaft am ehesten wackelt.“ Das ist eine Vermutung. Sie kennen die Vertragsklauseln nicht, bauen aber Ihre Skepsis darauf. Ist das nicht genau die Art Spekulation, die Sie sonst dem Markt vorwerfen?

Dieter Jaworski: Der Punkt sitzt. Ich kenne die Klauseln nicht, und T1 hat die Verträge nur als unterzeichnet bezeichnet, ohne Preise oder Rücktrittsrechte offenzulegen. Meine Skepsis ist also eine Gewichtung und kein Befund. Die Asymmetrie finde ich trotzdem wichtig. Der Markt rechnet die Verträge praktisch zum Nennwert, ich setze einen Abschlag für das zweite Jahr an.

Woran ich mich festhalten lasse: Legt T1 bei den Zahlen oder danach offen, dass die Abnahmen für 2028 feste Pflichten zu festen Preisen sind, unabhängig davon, ob das Kundenprojekt noch gefördert wird, dann gebe ich diese Position auf. Dann wäre 2028 ein Sockel. Bis dahin bleibt es für mich das schwächste Glied der Kette.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Was bekommt man denn substanziell für 2,12 Euro je Aktie, wenn Sie die Verträge abwerten?

Dieter Jaworski: Im Kern ein Datum. Eine offizielle Prognose für Umsatz oder Marge gibt es nicht, die Gewinnrechnung trägt das Urteil also noch nicht. Die belastbarste Zahl liegt woanders.

Im zweiten Quartal 2026, also im jüngsten gemeldeten Quartal, hat T1 Steuergutschriften zu 93 Cent je Dollar verkauft. Das ist Bargeld und zeigt, dass der regulatorische Vorsprung handelbar ist. Darauf lässt sich aufbauen. Das Datum selbst ist das erste Quartal 2027, in dem Austin die ersten Zellen liefern soll.

Bis dahin überbrückt eine Ausnahmegenehmigung für Zellimporte von bis zu 1,725 GW die Versorgung von Dallas. Rutscht Austin erneut, wird die Brücke länger. Und genau so lange bleibt T1 im Wesentlichen ein Modulmonteur mit zugekauften Zellen, der in einem Massenmarkt gegen asiatische Importe antritt.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Nach den Zwischenwahlen atmet die ganze Solarbranche auf. Ist das politische Risiko für T1 damit nicht spürbar kleiner geworden?

Dieter Jaworski: Ein wenig, vielleicht. Eine Wahl baut keine Fabrik, und Fristen, die schon im Gesetz stehen, verschiebt sie auch nicht. Mich hat die Erleichterung dieser Woche eher misstrauisch gemacht, weil sie sich über alle Solarwerte gleich verteilt hat. Als stünde jeder gleich nah am Ziel.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie machen alles am ersten Quartal 2027 fest, in dem die ersten Zellen aus Austin kommen sollen. Ist dieses Datum bei 2,12 Euro angemessen bepreist?

Dieter Jaworski: Für meinen Geschmack zu freundlich. Den Zugang zur Produktionsgutschrift halte ich für einen echten Vorsprung, das Verkaufen zu 93 Cent belegt ihn. Der Kurs bepreist aber vor allem das, was alle sehen: politisches Wetter und Vertragsvolumen.

Kaum bepreist sind zwei Risiken, die auf dasselbe Zeitfenster zielen, nämlich ein weiterer Verzug in Austin und die Förderkante Ende 2027 bei der Kundschaft. Treffen beide zusammen, fällt das Jahr 2028 aus der Rechnung, auf die sich die Fantasie stützt.

Dass Trina im Mai Aktien abgegeben hat, lese ich als Rückzug eines Finanzpartners, mehr nicht. Ich warte auf die erste Zelle aus Austin. Vorher ist mir dieses Datum zu teuer.

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Diskussion zu T1 Energy

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.