Bei SK Hynix trifft die Erwartung nachlassender Spitzengewinne auf langfristige Lieferverträge für KI-Speicher. Wie viel Gewicht diese Verträge angesichts hoher Investitionen verdienen, besprechen wir mit Dieter Jaworski.

SK Hynix (KR7000660001) — Schlusskurse 23.04.2026 bis 20.10.2026, Angaben in KRW. Stand: 20.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Woran messen Sie, ob die Bewertung von SK Hynix durch das Geschäft gedeckt ist?
Dieter Jaworski: Zuerst an der Frage, wie viel vom heutigen Gewinn übrig bleibt, wenn der Speicherzyklus abkühlt. Die operative Marge zeigt, welcher Anteil des Umsatzes nach den laufenden Betriebskosten als Gewinn verbleibt; im zweiten Quartal 2026 lag sie bei 76,3 Prozent. Das ist außergewöhnlich. Die heutige Gewinnspanne ist kein Dauerzustand. Wer aus ihr einen dauerhaften Wert errechnet, verlangt vom Geschäft mehr, als es bislang belegt hat.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Die heutige Gewinnspanne ist kein Dauerzustand.“ Warum halten Sie den Bewertungsabschlag dann überhaupt für fragwürdig?
Dieter Jaworski: Weil der Abschlag auch ein Geschäft treffen kann, das länger stark bleibt, als ein gewöhnlicher Speicherzyklus vermuten lässt. SK Hynix hielt im ersten Quartal 2026 einen HBM-Marktanteil von 58 Prozent.
Entscheidend finde ich weniger diese Momentaufnahme als die enge Entwicklung der Chips mit den Kunden: Ein Lieferant wird dort nicht beiläufig ausgetauscht. Für klassischen DRAM-Speicher gilt das weit weniger. Deshalb rechne ich nicht alle Gewinne gleich hoch – aber auch nicht alle gleich schnell herunter.
Kapitalmarktexperten Redaktion: CXMT will noch vor Jahresende Server-Speicher anbieten. Wo würde dieser Vorstoß Ihre Bewertungsthese konkret beschädigen?
Dieter Jaworski: Zunächst bei herkömmlichem Server-Speicher, wo Preiswettbewerb SK Hynix unmittelbar treffen kann. Für HBM belegt die Ankündigung noch keine Verdrängung.
Dort geben fünfjährige Lieferverträge mit Kunden wie Nvidia dem Unternehmen Zeit und eine bessere Sicht auf künftige Erlöse. Beschädigt wäre meine These, wenn dieser Vorsprung auch bei den anspruchsvolleren Chips schrumpft. Die Verträge sind ein Schutz, keine Eigentumsurkunde auf den Markt.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Der Analysten-Konsens rechnet mit knappem Speicherangebot bis mindestens 2028. Ist Ihre Vorsicht bei den Gewinnen da nicht eine Wette gegen die verfügbaren Prognosen?
Dieter Jaworski: Aus erwarteter Knappheit folgt keine Garantie für die heutige Gewinnspanne. Wenn Sie diesen Schluss ziehen, müssten Sie belegen, warum zusätzliche Kapazitäten die Preise nicht unter Druck setzen.
SK Hynix bindet viel Kapital in neuen Werken; deren Erfolg hängt auch davon ab, was die Produktion später einbringt. Den Nachfrageausblick erkenne ich an. Eine Prognose über das Angebot ist mir als Beweis für dauerhaft hohe Gewinne zu dünn.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Was müsste der nächste Bericht zeigen, damit Sie Ihre Einschätzung ändern?
Dieter Jaworski: Wenn der Gewinn trotz starker Nachfrage sinkt, muss ich umdenken. Dann habe ich die Stärke des Geschäfts überschätzt.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Die fünfjährigen Lieferverträge geben Ihnen Zuversicht. Reichen sie für ein positives Gesamturteil zur Bewertung?
Dieter Jaworski: Ja, mit einer klaren Grenze: Sie stützen einen längeren Zeitraum hoher Erträge, keinen ewigen Spitzengewinn. Für mich wiegt der gesichertere HBM-Teil schwerer, als es der Zyklusabschlag nahelegt. SK Hynix ist damit ein starkes Geschäft, dessen Bewertung zu viel Skepsis gegenüber diesem Vorsprung enthält.
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