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Interviewmit Dieter Jaworski

Infineon Aktie: Dresdens neue Fabrik steht vor der Ernteprobe

Dieter Jaworski sieht Infineons erwartete Segmentmarge 2026 als Prüfstein für den Kapazitätsausbau und die Nutzung des Dresdner Werks.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Dresdner Fabrik ist bereits eröffnet
  • Auslastung entscheidet über die Werksrendite
  • Infineon erwartet 20 Prozent Segmentmarge
  • Jaworski nennt rund 84 Euro als fairen Wert

Am 10. November stehen bei Infineon die nächsten Zahlen an. Die neue Dresdner Fabrik und die Stromversorgung von KI-Rechenzentren rücken damit in den Blick: Wie gut tragen die Investitionen bereits zum Geschäft bei? Darüber spricht die Redaktion mit Dieter Jaworski.

Infineon (DE0006231004) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

Infineon (DE0006231004) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Urschitz und Gruber haben im Mai und Juni Aktien verkauft. Warum soll man dem Management beim Kapazitätsausbau vertrauen?

Dieter Jaworski: Die Verkäufe beobachte ich. Sie beweisen für sich genommen keine schwächeren Aussichten, und ich würde sie auch nicht mit einer bequemen Erklärung wegwischen. Wichtiger ist, was das Management mit dem Geld des Unternehmens macht.

Der Rückkauf vom August war für Mitarbeiterprogramme bestimmt; er ist für mich keine dauerhafte Verknappung der Aktien. Auch die vollzogene C2i-Übernahme passt zur digitalen Leistungsregelung. Ob der Kauf seinen Preis verdient, bleibt offen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen, der Rückkauf sei „keine dauerhafte Verknappung der Aktien“. Weshalb geben Sie dem Management beim Dresdner Werk trotzdem Kredit?

Dieter Jaworski: Kredit auf Bewährung. Die eröffnete Fabrik schafft Lieferfähigkeit, doch ihre Rechnung geht erst bei ausreichender Auslastung auf. Infineon erwartet für das Geschäftsjahr 2026 rund 20 Prozent Segmentergebnis-Marge; das ist das Segmentergebnis im Verhältnis zum Umsatz und keine operative Marge.

An den Zahlen vom 10. November interessiert mich, ob diese Erwartung trotz des Kapazitätsaufbaus trägt. Der Markt bezahlt die künftige Nutzung der Fabrik bereits mit.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Was wird aus Ihrer Auslastungsrechnung, wenn Investitionen in KI-Rechenzentren stocken – trotz des neuen Hot-Swap-Controllers für KI-Server?

Dieter Jaworski: Ein neues Bauteil löst ein technisches Problem bei der Stromversorgung. Die Annahme, es sichere damit auch die Ausgaben der Rechenzentrumsbetreiber, weise ich zurück. Dort reißt die Schlusskette. Ich könnte mit meiner Einschätzung früh falschliegen, wenn Bestellungen für diese Stromversorgung ausbleiben und Dresden schwach ausgelastet bleibt. Ein Produktstart allein füllt keine Fabrik.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihre Bewertung liegt praktisch beim Analysten-Konsens. Was trägt sie, wenn eine konservative Bewertung der einzelnen Geschäfte deutlich weniger ergibt?

Dieter Jaworski: Mein faires Zwölfmonatsniveau liegt bei rund 84 Euro. Dafür muss Infineon den Kapazitätsaufbau in Erträge übersetzen; die konservative Summe der einzelnen Geschäfte bildet diesen möglichen Zuwachs nur begrenzt ab.

Das Geschäft hat Substanz: Bauteile für laufende Fahrzeugprogramme lassen sich nach der Qualifikation nur mit Aufwand austauschen. Bei neuen Aufträgen und bei der Auslastung hilft dieser Schutz weniger. Mich stört am Analysten-Konsens daher weniger die Zahl als die Sicherheit, die eine solche Zahl ausstrahlt.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Was müsste am Dresdner Werk passieren, damit Sie dem Management mehr zutrauen?

Dieter Jaworski: Das Werk müsste verlässlich Arbeit bekommen, ohne dass die Kosten ausufern. Dann hätten die Verantwortlichen Vertrauen verdient. Ein voller Auftragskalender wäre überzeugender als jede Ankündigung.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie setzen die für 2026 erwarteten rund 20 Prozent Segmentergebnis-Marge als Prüfstein. Welches Urteil über die Aktie folgt daraus?

Dieter Jaworski: Infineon hat ein starkes Industriegeschäft. Für mich bleibt die Aktie dennoch eine anspruchsvolle Wette auf die Kapitalallokation: Die erwartete Marge muss sich mit der neuen Fabrik im Betrieb bewähren. Bis Dresden seine Rendite belegt, ist mir der Analysten-Konsens zu sorglos.

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Diskussion zu Infineon

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.