Vor der Jahresbilanz 2025/26 reichen die Analysten-Kursziele für Siemens Energy von 157 bis 245 Euro; zugleich sind die weitere Ertragskraft von Gamesa und eine mögliche Portfoliotransaktion offen. Dieter Jaworski, wie belastbar ist der Wert des Gas- und Netzgeschäfts bei schwächerer Nachfrage?

Siemens Energy (DE000ENER6Y0) — Schlusskurse 17.04.2026 bis 14.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 14.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihre Skepsis gegenüber hohen Erwartungen unterschätzt doch den Schutz durch über 7.000 installierte Gasturbinen. Wie soll dieser Vorsprung bei schwacher Nachfrage bröckeln?
Dieter Jaworski: Die installierten Anlagen sind der stärkste Teil der Geschichte. Betreiber brauchen passende Ersatzteile und Wartung; das Geschäft verschwindet nicht, wenn weniger neue Turbinen bestellt werden.
Im Netzgeschäft kommen schwer aufzubauende Fertigungskapazitäten hinzu. Das ist ein echter Vorsprung. Die offene Stelle liegt bei der Kapitalrendite: Siemens Energy muss auch nach dem Nachfragehoch mit dem eingesetzten Geld ordentlich verdienen. Wartung hält länger als der Boom.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Wartung hält länger als der Boom.“ Wenn Betreiber bei Flaute Arbeiten verschieben, wie viel Schutz bleibt dann?
Dieter Jaworski: Kunden können Arbeiten aufschieben. Eine laufende Anlage braucht trotzdem Pflege und passende Teile. Das schützt einen Teil des Geschäfts, nicht jeden Auftrag.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Gamesa hat wieder einen operativen Gewinn erzielt. Ist damit die Gefahr gebannt, dass ausbleibende Offshore-Aufträge die Sparte erneut belasten?
Dieter Jaworski: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 30. Juni endete, schrieb Gamesa erstmals seit 2022 wieder einen operativen Gewinn. Das erkenne ich an. Für eine dauerhafte Wende reicht ein Quartal allerdings nicht.
Bis 2028 muss Gamesa neue Aufträge gewinnen, sonst drohen Kapazitätskürzungen. Hier könnte meine Einschätzung kippen: Bleiben die Aufträge aus, tragen Gas und Netz weiterhin ein gutes Geschäft, während Gamesa dessen Erträge wieder aufzehrt.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihre Einzelteilrechnung kommt auf rund 96,5 Milliarden Euro Eigenkapitalwert, die Marktkapitalisierung liegt bei rund 121 Milliarden Euro. Wie rechtfertigen Sie angesichts dieser Lücke ein höheres faires Niveau?
Dieter Jaworski: Die Lücke ist erheblich. Die Einzelteilrechnung bewertet die Geschäftsteile getrennt und rechnet die Finanzposition hinzu; sie zeigt, was bei vorsichtigen Annahmen über die einzelnen Sparten herauskommt. Daraus folgt für mich noch nicht, dass ihre heutigen Erträge das angemessene Maß für die kommenden Jahre sind.
Mein faires Niveau liegt bei rund 162 Euro je Aktie. Dafür müssen Gas und Netz ihre starke Auslastung in dauerhafte Erträge verwandeln und Gamesa darf den Fortschritt nicht zurücknehmen. Das ist eine anspruchsvolle Rechnung, kein Freibrief für jede Erwartung.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Der Analysten-Konsens liegt bei 207,5 Euro. Zugleich haben Banken laut Bericht Finanzierungspakete von bis zu 7 Milliarden Euro für mögliche Käufer von Transformation of Industry vorbereitet. Unterschätzen Sie den Wert einer Trennung?
Dieter Jaworski: Die Vorbereitungen sind bemerkenswert. Die Folgerung, damit sei ein Verkauf samt Erlös für Siemens Energy praktisch gesichert, bestreite ich. Ein Finanzierungspaket für Interessenten ist noch kein verbindlicher Abschluss.
Der Analysten-Konsens setzt aus meiner Sicht mehr gelungene Entwicklung voraus, als ich heute bezahlen würde. Eine Trennung könnte meine Rechnung verbessern, wenn Preis und Folgen für das verbleibende Geschäft feststehen. Bis dahin wiegt für mich schwerer, was Gas, Netz und Gamesa selbst verdienen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Bis 2028 muss Gamesa neue Aufträge gewinnen, sagen Sie. Welches Urteil über Siemens Energy folgt aus dieser Bedingung?
Dieter Jaworski: Siemens Energy hat mit Gas und Netz ein Geschäft, dem ich auch bei schwächerer Nachfrage viel zutraue. Mein Urteil bleibt deshalb zuversichtlich, allerdings deutlich unter dem Analysten-Konsens. Gamesa muss die neuen Aufträge erst gewinnen. Diese Unsicherheit rechne ich ein; die Qualität des übrigen Geschäfts streiche ich ihretwegen nicht weg.
Stand heute, 14. Oktober: Siemens Energy – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Siemens Energy investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 14. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
