Am 30. Dezember 2026 soll die EU-Entwaldungsverordnung für Großunternehmen gelten; Ferrero kann bereits 98 Prozent seines Kakaos bis zur Anbaufläche zurückverfolgen. Ob daraus ein wirtschaftlicher Vorteil wird und wie sich Ferrero ohne Börsenkurs bewerten lässt, bespricht die Redaktion mit Dieter Jaworski.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Ferrero hat WK Kellogg für 3,1 Milliarden Dollar übernommen. Überschätzt das Unternehmen mit diesem Schritt die Tragfähigkeit seiner Markenmacht?
Dieter Jaworski: Im Müsliregal muss Ferrero seine Stellung erst beweisen. Nutellas Preismacht wandert nicht automatisch ins Müsliregal. Der Zukauf verschafft Präsenz in Nordamerika, doch Größe allein sagt wenig darüber, was Händler für diese Produkte akzeptieren.
Interessanter finde ich, ob Ferreros Vorsprung bei der Rückverfolgbarkeit seinen Lieferbeziehungen hilft. Darin könnte mehr wirtschaftlicher Wert liegen als in der zusätzlichen Reichweite.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Nutellas Preismacht wandert nicht automatisch ins Müsliregal.“ Warum gewichten Sie die Übernahme dann weniger stark als die Rückverfolgbarkeit, von der Kunden womöglich gar nichts merken?
Dieter Jaworski: Die Annahme, Kunden müssten den Vorteil bemerken, führt am entscheidenden Käufer vorbei. Für die Verordnung müssen Händler wissen, woher die Ware stammt.
Ferrero kann nach eigenen Angaben bereits 98 Prozent seines Kakaos bis zur Anbaufläche zurückverfolgen. Das kann die Zusammenarbeit erleichtern; ob es Ferrero bessere Bedingungen verschafft, ist allerdings offen. Für die Produkte von WK Kellogg muss sich eine solche Stärke erst zeigen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Was, wenn die Händler bei Ferrero trotz dieser Vorbereitung keinerlei bessere Bedingungen einräumen?
Dieter Jaworski: Dann hätte ich den Vorteil überschätzt. Die Arbeit wäre für die Einhaltung der Regeln nötig gewesen, hätte Ferreros Stellung gegenüber den Händlern aber nicht gestärkt. Mehr würde ich daraus nicht machen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Wie bestimmen Sie überhaupt einen fairen Wert für Ferrero, wenn es keinen Börsenkurs gibt?
Dieter Jaworski: Einen fairen Aktienwert kann ich hier nicht seriös beziffern. Ferrero ist nicht börsennotiert; ein fairer Wert wäre eine Schätzung auf Grundlage künftiger Erträge, für die mir belastbare Angaben fehlen.
Ferrero kauft rund 25 Prozent der weltweiten Haselnussernte. Das ist für mich ein gewichtiges Argument für seine Stellung in der Beschaffung, aber keine Rechenvorschrift für einen Aktienpreis. Wer daraus ein Kursziel ableitet, hat die entscheidende Zahl selbst erfunden.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Was müsste passieren, damit Sie Ihren vermuteten Vorteil bei der Rückverfolgbarkeit verwerfen?
Dieter Jaworski: Ich würde früh auf die Bedingungen achten, zu denen Ferrero seine Produkte an Händler liefert. Müsste das Unternehmen trotz belegter Herkunft seines Kakaos zusätzliche Preiszugeständnisse machen, wäre meine These beschädigt. Die Dokumentation hätte dann ihren Zweck für die Verordnung erfüllt, ohne Ferreros wirtschaftliche Stellung zu stärken. Das wäre ein ernstes Gegenargument, keine Fußnote.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Ferrero kauft rund 25 Prozent der weltweiten Haselnussernte. Welches Gesamturteil folgt für Sie aus dieser Stellung?
Dieter Jaworski: Ferrero hat ein starkes Geschäft mit einer schwer nachzubauenden Stellung in der Beschaffung. Die Übernahme von WK Kellogg muss ihren Beitrag erst belegen. Über die Attraktivität einer Ferrero-Aktie urteile ich nicht: Es gibt keinen handelbaren Börsenpreis, an dem sich die Erwartungen messen ließen.
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