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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

Aguia Resources Aktie: Gesetzlicher Rückenwind gehört dem Aktionär erst, wenn die Marge steht

Ein Experte sieht Aguia Resources vor dem Nachweis profitabler Verkäufe; die endgültige Gerichtsentscheidung wird in 30 bis 60 Tagen erwartet.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Pampafos-Verkäufe seit Mitte September
  • TRF4-Entscheidung in 30 bis 60 Tagen erwartet
  • Bruttomarge bislang nicht belastbar belegt
  • Jüngste Finanzierung erhöhte die Aktienzahl

Nach außen erzählt Aguia Resources die Geschichte des heimischen Phosphatlieferanten, dem Brasiliens Importabhängigkeit und das neue Profert-Gesetz in die Hände spielen.

Darunter liegen ein Urteil des Bundesberufungsgerichts TRF4, das die Umweltlizenz für Três Estradas im September für ungültig erklärt hat, ein Geschäftsbericht ohne bezifferte Prognose und eine Aktienzahl, die durch Platzierungen kräftig gewachsen ist. Wie viel davon im Preis schon verarbeitet ist, besprechen wir mit Dieter Jaworski.

Aguia Resources (AU000000AGR4) — Schlusskurse 14.04.2026 bis 09.10.2026, Angaben in AUD. Stand: 09.10.2026.

Aguia Resources (AU000000AGR4) — Schlusskurse 14.04.2026 bis 09.10.2026, Angaben in AUD. Stand: 09.10.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Für Aguia gibt es weder eine Unternehmensprognose noch eine bezifferte Analystenschätzung. Woran misst der Markt dieses Unternehmen überhaupt, und was steckt im Preis?

Dieter Jaworski: Am Wert einer Option. Gewinne, an denen man einen Multiplikator festmachen könnte, gibt es nicht. Also zahlt der Markt für die Möglichkeit, dass Três Estradas dauerhaft genehmigt bleibt, dass Pampafos mit Gewinn verkauft wird und dass Santa Barbara in Kolumbien irgendwann mehr ist als ein Projekt mit Pilotanlage.

Die Kennzahl, die diese Annahme stützen müsste, ist die Bruttomarge, also der Teil des Umsatzes, der nach den direkten Förder- und Verarbeitungskosten übrig bleibt. Für Pampafos existiert sie noch nicht als belastbare Reihe.

Die ersten Verkäufe laufen seit Mitte September, und der Geschäftsbericht vom 30. September nennt für Umsatz und Ergebnis keine einzige Spanne. Einen fairen Wert in Bruchteilen eines Cents auszurechnen, wäre da Scheingenauigkeit. Das lasse ich bewusst. Der Markt bezahlt hier eine Hoffnung, für die es noch keine Quittung gibt. Mehr als eine Wette ist das im Moment nicht.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie unterschätzen den Rückenwind. Rio Grande do Sul deckt seinen Phosphatbedarf nahezu vollständig über Importe, und das Profert-Gesetz schreibt ab 2027 Pflichtanteile inländischer Produktion vor. Ist das nicht genau die Absicherung, die Sie vermissen?

Dieter Jaworski: Ich sehe das deutlich nüchterner als Sie. Dass der Süden Brasiliens fast alles importiert und Brasília künftig Inlandsquoten verlangt, bestreite ich gar nicht. Nur: Wo steht, dass dieser Pflichtanteil bei Aguia landet, und zu welchem Preis?

Den Nachweis müssten Sie mir liefern. Ein Gesetz, das zunächst zwei Prozent heimische Produktion verlangt, schafft Nachfrage für jeden inländischen Anbieter, auch für alle, die dieselbe Lücke jetzt erst entdecken. Mich stört etwas anderes viel mehr.

Aguia hat Pampafos im eigenen Preisvergleich unter den importierten Alternativen angesetzt. Wer über den Preis in den Markt geht, kauft sich Marktanteil. Von Preismacht kann man da noch nicht reden. Gesetzlicher Rückenwind gehört dem Aktionär erst, wenn die Marge steht.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Spitzen wir das Gerichtsrisiko zu. Was passiert, wenn das TRF4 bei seiner Linie bleibt?

Dieter Jaworski: Dann wird es schnell ernst. Am 7. Oktober hat der zuständige Richter einen Aussetzungsantrag abgewiesen. Vorerst läuft das Projekt unter der separaten Betriebslizenz für die Anlage in Caçapava weiter, das ist eine Atempause und nicht mehr. Die endgültige Entscheidung wird in 30 bis 60 Tagen erwartet.

Bis dahin hängt das gesamte Operative an diesem einen Faden: die 30.000 Tonnen Erz auf Halde genauso wie die 825 Tonnen Pampafos, die seit dem 15. September verkauft wurden. Fällt die Entscheidung gegen Aguia, ist jede dieser Tonnen ein Verkauf auf Bewährung gewesen. Für das Unternehmen spricht der Kern des Urteils.

Die Richter gingen fälschlich davon aus, der Betrieb sei noch nicht aufgenommen worden, und ein Tatsachenirrtum lässt sich korrigieren. Trotzdem preise ich kein Gericht ein, dessen Mehrheit schon einmal gegen die Lizenz entschieden hat. Die Rekord-Goldproduktion in Kolumbien hilft der Stimmung. Diese Bewertung trägt sie nicht.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sprachen vorhin von „einer Hoffnung, für die es noch keine Quittung gibt“. Grigor hat sich 25 Millionen Aktien über eine Wandlung gesichert, und CEO Hosking ist selbst investiert. Sind die Insider nicht genau diese Quittung?

Dieter Jaworski: Zum Teil, ja. Insider mit eigenem Einsatz sind mir lieber als Insider ohne. Nur schaue ich mir an, wie die Positionen entstanden sind. Grigors Aktien stammen aus der Wandlung von Wandelanleihen, da wurde eine bestehende Forderung in Eigenkapital getauscht. Das ist etwas anderes als frisches Geld auf den Tisch.

Echte Zukäufe sehe ich bei Director Jarvis, und die sind überschaubar. Auf der anderen Seite der Waage liegt die Verwässerung. Jede neu ausgegebene Aktie schneidet den künftigen Gewinn in mehr Stücke, und Aguia hat sich zuletzt erneut über eine Platzierung finanziert.

Genau hier kann ich allerdings falsch liegen. Wenn die nächste Kapitalerhöhung ausbleibt, während Pampafos hochläuft und Santa Barbara produziert, trägt sich das Geschäft offenbar aus eigenen Erlösen. Dann hätte ich die Verwässerung als Dauerzustand überzeichnet und müsste meine Sicht ändern. Auf diesen Punkt warte ich.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Kein einziger Analyst legt für Aguia eine Prognose vor. Machen Sie es sich mit Ihrer Skepsis nicht zu leicht, wenn Ihnen schlicht niemand widerspricht?

Dieter Jaworski: Leicht wäre es, einfach mitzuschweigen. Dass keiner hinschaut, macht ein Unternehmen weder besser noch schlechter, nur schwerer zu durchschauen. Ich hätte gern jemanden, der mir widerspricht, am liebsten das Unternehmen selbst, mit eigenen Zahlen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie haben die Gerichtsentscheidung in 30 bis 60 Tagen zur entscheidenden Wegmarke erklärt. Ist die Aktie bis dahin für Sie überhaupt bewertbar, oder bleibt sie eine reine Wette auf das TRF4?

Dieter Jaworski: Bewertbar im eigentlichen Sinn ist sie bis dahin nicht. Das sage ich ohne Achselzucken. Das TRF4 entscheidet darüber, ob der einzige Teil von Aguia mit echtem Rückenwind dauerhaft verkaufen darf. Daneben ist alles Nebengeräusch, der Goldrekord eingeschlossen.

Und selbst ein günstiges Urteil verschafft nur die Eintrittskarte. Danach beginnt erst der Nachweis über Bruttomarge und Kapitalbedarf, und den hat Aguia noch nicht einmal angetreten. Wer heute zahlt, bezahlt zwei Hürden im Voraus, von denen erst eine in Sichtweite liegt. Das ist mir zu viel Vorschuss.

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Diskussion zu Aguia Resources

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.

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