Startseite » Aktien » Intel: Der Turnaround, den niemand erwartet hat

Intel: Der Turnaround, den niemand erwartet hat

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wer in den vergangenen Jahrzehnten auf Intel gesetzt hat, kennt das Gefühl der Enttäuschung gut. Während Nvidia, Taiwan Semiconductor und Broadcom zu Billionen-Dollar-Konzernen aufstiegen, dümpelte Intel vor sich hin. Der einstige König der Halbleiter wurde zum Sorgenkind der Technologiebranche. Doch seit einigen Monaten dreht sich das Bild. Die Intel-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 220 Prozent zugelegt. Wer die Rally verpasst hat, könnte versucht sein, die Chance endgültig abzuhaken. Das wäre ein Fehler.

Vom Thron gefallen

Die Geschichte von Intels Niedergang ist lehrreich. Im Jahr 2000 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 34 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von mehr als zehn Milliarden Dollar. Intel war damals das Maß aller Dinge im Halbleitermarkt. Noch 2005 entfielen auf das Unternehmen rund 50 Prozent des kombinierten Umsatzes der größten Halbleiterhersteller weltweit.

Dann begann der Abstieg. Intel verschlief den Wechsel zur extremen Ultraviolett-Lithografie, einem Fertigungsverfahren, das wesentlich feinere Chipstrukturen ermöglicht. Das Unternehmen verpasste den Boom bei Smartphones und mobilen Prozessoren. Und als die Welt plötzlich Grafikkarten für das Training von Künstlicher Intelligenz benötigte, hatte Intel nichts Wettbewerbsfähiges anzubieten. Nvidia wuchs derweil von einem Nischenanbieter mit 735 Millionen Dollar Umsatz zu einem Konzern mit 215 Milliarden Dollar Umsatz und 137 Milliarden Dollar operativem Gewinn im Jahr 2025.

Intel dagegen verbuchte 2025 bei einem Umsatz von 53 Milliarden Dollar einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar. Die Aktie fiel im Juni 2025 unter 18 Dollar, zeitweise sogar unter den Buchwert des Unternehmens. Fünf Vorstandsvorsitzende in Folge konnten das strukturelle Problem nicht lösen. Der Marktanteil am kombinierten Sektoumsatz schrumpfte auf unter zehn Prozent.

Ein Turnaround-Experte übernimmt das Steuer

Im März 2025 trat Lip-Bu Tan die Nachfolge an. Der Venture-Capital-Experte und Unternehmenslenker ist in der Branche kein Unbekannter. Bei Cadence Design Systems, einem Anbieter von Chip-Design-Software, führte er das Unternehmen über zwölf Jahre lang. In dieser Zeit legte die Aktie mehr als 3.200 Prozent zu. Cadence ist heute eines der wertvollsten Softwareunternehmen der Halbleiterbranche.

Tan handelte bei Intel sofort. Er baute den aufgeblähten Konzern um und strich mehr als 20.000 Stellen. Der freie Cashflow, also der Geldfluss nach Investitionen, war zwischen 2022 und 2025 kumulativ um 44 Milliarden Dollar negativ. Das entsprach einem Einbruch von 107 Milliarden Dollar gegenüber den vier Jahren davor, als Intel noch massiv in neue Fabriken investierte, ohne ausreichende Erträge zu erzielen. Bereits im zweiten Halbjahr 2025 drehte der freie Cashflow ins Positive. Für die kommenden Jahre rechnen Beobachter mit weiterer Verbesserung, da die Investitionsausgaben normalisiert werden und der Umsatz wieder wächst.

KI als neue Wachstumsplattform

Der eigentliche Schlüssel zur Neubewertung von Intel liegt jedoch nicht in der Kostendisziplin allein. Es geht um die Frage, ob das Unternehmen den Anschluss an die KI-Welle noch schaffen kann. Die Zeichen mehren sich, dass dies gelingt.

Intel und Alphabet, der Mutterkonzern von Google, arbeiten gemeinsam an KI- und Cloud-Infrastruktur. Darüber hinaus hilft Intel beim Aufbau von Elon Musks sogenannter „Terafab“, einem KI-Chip-Fertigungsvorhaben, das SpaceX und Tesla gemeinsam vorantreiben. Intel entwickelt zudem eigene KI-Beschleuniger, die mit den TPU-Chips von Alphabet und den Trainium-Chips von Amazon vergleichbar sind. Solche Spezialprozessoren werden für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle eingesetzt.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Intel Corporation?

Besonders bedeutsam ist die Investition von Nvidia. Der weltgrößte Grafikchiphersteller hat fünf Milliarden Dollar in Intel investiert. Im Gegenzug fertigt Intel maßgeschneiderte x86-Server-Prozessoren, die in Kombination mit Nvidias Grafikkarten eingesetzt werden. Da Nvidias GPUs teuer sind, bieten Intels CPUs eine kosteneffiziente Ergänzung für KI-Rechenzentren. Marktbeobachter sehen die x86-Architektur dadurch in einer neuen Rolle: Als kostengünstiger Begleiter für KI-Rechenoperationen erlebt der klassische Prozessor eine Renaissance.

Die Bewertung: Teuer auf den ersten Blick, günstig auf den zweiten

Die aktuelle Bewertung der Intel-Aktie gibt auf den ersten Blick Anlass zur Vorsicht. Die Aktie wird mit dem rund 95-fachen des für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinns gehandelt. Das liegt über früheren Hochs und übersteigt die Bewertungen von Nvidia, Taiwan Semiconductor und Broadcom. Günstig klingt das nicht.

Der entscheidende Kontext: Die Gewinne von Intel sind derzeit auf einem historisch gedrückten Niveau. Für 2026 erwarten Analysten einen Gewinn je Aktie von rund 50 Cent, verglichen mit fast 5,50 Dollar noch im Jahr 2021. Die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Produktionskosten verbleibt, liegt bei unter 40 Prozent. Taiwan Semiconductor erreicht 55 Prozent, Nvidia sogar 75 Prozent.

Die Gründe für die gedrückten Margen sind konkret und überwindbar. Intel bezahlt derzeit seinen Konkurrenten Taiwan Semiconductor, um etwa 30 Prozent seiner Chips extern fertigen zu lassen, während gleichzeitig eigene Fabrikkapazitäten aufgebaut werden. Zudem liegen die sogenannten Chip-Yields, also das Verhältnis funktionsfähiger Chips zur maximal möglichen Ausbeute im Fertigungsprozess, noch unter dem Niveau der Konkurrenz. Taiwan Semiconductor erzielt geschätzte 90 Prozent, Intel liegt derzeit bei rund 70 Prozent. Mit zunehmender Reife der neuen Fertigungsprozesse dürfte sich das verbessern.

Normalisierten sich die Margen und wüchse der Gewinn auf rund sieben Dollar je Aktie bis 2029, was nach Einschätzung von Marktbeobachtern erreichbar erscheint, ergäbe sich bei einem branchenüblichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 ein fairer Wert von 150 Dollar je Aktie. Das entspräche von aktuellen Niveaus aus einem Potenzial von rund 140 Prozent.

Warum Intel strukturell unterschätzt wird

Ein weiterer Faktor spielt in der aktuellen geopolitischen Lage eine wachsende Rolle: Intel ist der einzige verbliebene amerikanische Hersteller von Hochleistungschips auf US-amerikanischem Boden. Angesichts wachsender Spannungen zwischen den USA und Taiwan, wo Taiwan Semiconductor seinen Hauptstandort hat, gewinnt die inländische Halbleiterfertigung strategisch an Bedeutung. Staatliche Förderungen und Sicherheitsinteressen sprechen langfristig für Intel als heimischen Produzenten.

Hinzu kommt die relative Unterbewertung gegenüber der direkten Konkurrenz. Intel ist aktuell rund 320 Milliarden Dollar wert. AMD, das weniger als halb so viel Umsatz erzielt, kommt auf 415 Milliarden Dollar. Nvidia, Taiwan Semiconductor und Broadcom sind jeweils Billionen-Dollar-Konzerne. Der Bewertungsabstand ist erheblich und dürfte sich mit einer erfolgreichen Umsetzung der Neuausrichtung schließen.

Das Risiko nicht ausblenden

Trotz der positiven Signale bleibt Intel eine Wette auf gelingende Transformation. Die Fertigung muss technisch aufholen, die KI-Chips müssen sich am Markt behaupten, und die Margen brauchen Zeit zur Erholung. Wall Street ist noch skeptisch: Nur etwa ein Fünftel der Analysten empfiehlt die Aktie zum Kauf, deutlich weniger als beim Durchschnitt der S&P-500-Unternehmen. Und die Aktie ist nach dem massiven Anstieg volatil. Anleger, die nicht vollständig einsteigen möchten, können über einen gestaffelten Kauf nachdenken, bei dem Positionen schrittweise aufgebaut werden.

Das ändert nichts an der zentralen These: Intel hat die schwersten Jahre hinter sich, einen fähigen Lenker an der Spitze und reale Katalysatoren für die nächste Wachstumsphase. Wer jetzt wegschaut, könnte den zweiten Teil der Erholung verpassen.

Anzeige

Intel Corporation: Kaufen oder verkaufen?! Neue Intel Corporation-Analyse vom 17. April liefert die Antwort:

Die neusten Intel Corporation-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Intel Corporation-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Intel Corporation: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Intel Corporation

Intel Corporation Chart