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83.000 Jobs sollen 26.000 DAX-Punkte rechtfertigen

Die jüngste DAX-Rally basiert auf unbestätigten Wetten. Der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag entscheidet, ob das Kursniveau von 26.000 Punkten Fundament oder Fassade ist.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • DAX erreicht erstmals 26.000 Punkte
  • Iran-Dementi lässt Ölpreis steigen
  • Fed-Zinserhöhung im September möglich
  • Palantir überzeugt mit starken Zahlen

Sehr geehrte Damen und Herren,

binnen 24 Stunden hat sich eine Rally, die kaum eine Wunschliste ausließ, als das entpuppt, was sie ist: eine Wette auf eine Schlagzeile. Am Montag brach der Ölpreis um bis zu sieben Prozent ein, der Dow schloss mit plus 1,32 Prozent auf einem Rekord von 53.178 Punkten, der DAX knackte erstmals die 26.000-Punkte-Marke. Am Dienstagmorgen dementierte Iran dann, dass überhaupt Gespräche mit Washington stattfänden – und ein Schiff wurde in der Straße von Hormus beschossen. Der eigentliche Test steht trotzdem noch aus: der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Er wird zeigen, ob unter der Rally ein Fundament liegt oder nur eine runde Zahl.

Die Rally auf Kredit: Öl-Dementi und Jobmarkt-Wette

Auslöser des Kursfeuerwerks war Präsident Trumps Ankündigung laufender US-Iran-Gespräche und einer „letzten Chance“ für Teheran. Brent fiel auf etwa 83 Dollar je Barrel, der Nasdaq legte über zwei Prozent zu, der DAX schloss – getragen von Autowerten, der Telekom und Reisekonzernen – erstmals über 26.000 Punkten. Die DZ Bank rechnet vor: ein Plus von rund 1.300 Punkten binnen drei Wochen, weit über das Juli-Rekordhoch von 25.900 Zählern hinaus.

Schon am nächsten Morgen bröckelte das Fundament. Irans Dementi ließ Brent um gut ein Prozent auf knapp 85 Dollar zurückschnellen, WTI kletterte über 81 Dollar. Wer das als strukturelle Entspannung gelesen hat, saß einer Schlagzeile auf, nicht einem Trend. Für die Depot-Praxis heißt das: Positionen in Energiewerten oder Öl-ETCs bleiben so lange headline-abhängig, wie aus „laufenden Gesprächen“ keine unterschriebene Vereinbarung wird.

Und selbst wenn Teheran sich bewegt – die Bewertung des DAX hängt an einer zweiten, härteren Variable. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe verharren zwar nahe historischen Tiefständen, und der ISM-Index für die Fertigung sprang im Juli auf 55,6 – der höchste Wert seit Mai 2022. Doch für Freitag erwarten Ökonomen gerade einmal 83.000 neue Stellen und eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Das ist eine schmale Basis für einen Index, der seine Bewertung gerade um 1.300 Punkte ausgeweitet hat. Verfehlt der Bericht diese Marke nach unten, dürfte die Sorge vor einer Abkühlung schneller zurückkommen, als der Ölpreis gefallen ist.

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Während der Dow auf Rekordniveau klettert und der Nasdaq zweistellig zulegt, stellt sich für Anleger die Frage, welche US-Titel von dieser Dynamik am meisten profitieren könnten. Ein kostenloser Report nennt drei konkrete US-Aktien samt Einstiegszeitpunkten und Kaufsignalen – gerade jetzt, wo Indizes auf Rekordständen notieren. Kostenlosen US-Aktien-Report sichern

Warsh pausiert – und strafft gerade dadurch

Während der Markt auf Konjunkturdaten wartet, hat die Fed selbst für Verunsicherung gesorgt. Kevin Warsh hielt die Zinsen bei 3,50 bis 3,75 Prozent, doch seine Pressekonferenz kam bei Marktteilnehmern schlecht an: JPMorgan-Ökonomen nannten den Auftritt den beunruhigendsten eines neuen Notenbankchefs seit einem Jahrzehnt, Citadel Securities warnte offen vor einem Glaubwürdigkeitsverlust. Der Hintergrund: Die US-Inflation lag im Juni bei 3,5 Prozent – seit fünf Jahren über dem Fed-Ziel. Am Terminmarkt preist die CME-FedWatch inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von über 64 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Eine Zinserhöhung, wohlgemerkt, nicht -senkung.

Die pointierteste Lesart stammt von einem Anleihe-Veteranen: Warsh habe durch das Pausieren mehr gestrafft als durch eine Erhöhung – weil die Unsicherheit über seinen Kurs die Risikoaversion und damit die Finanzierungsbedingungen anzieht. Tatsächlich pendelt die zehnjährige US-Rendite um 4,69 Prozent, die 30-jährige Hypothek liegt bei 6,66 Prozent. Wer auf baldige Zinssenkungen setzt, kämpft damit gegen einen Markt, der eher die nächste Anhebung fürchtet als die nächste Lockerung feiert. Für Portfolios bedeutet das eine Verschiebung: Werte mit robustem, planbarem Cashflow gewinnen gegenüber reinen Wachstumsversprechen an Gewicht – ein Muster, das sich in der laufenden Berichtssaison bereits zeigt.

Bilanzqualität: Wer Cash zeigt, wer nur Papier zeigt

Wenn eine Aktie diese Woche den Unterschied zwischen Substanz und Hoffnung greifbar macht, dann Palantir. Der Datenanalyse-Konzern legte am Montagabend Zahlen vor, die selbst optimistische Erwartungen sprengten: Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar, das US-Commercial-Geschäft explodierte um 149 Prozent. Der GAAP-Nettogewinn erreichte 1,06 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis lag bei 912 Millionen Dollar – eine GAAP-Marge von 47 Prozent –, und der bereinigte freie Cashflow kam auf 1,22 Milliarden Dollar, entsprechend 63 Prozent Marge. Die Jahresprognose wurde erneut angehoben, auf 8,15 bis 8,16 Milliarden Dollar. Nachbörslich sprang die Aktie um bis zu 14 Prozent, im europäischen Handel setzte sich die Bewegung fort. CEO Karp positionierte sich dabei bewusst gegen die großen KI-Labore und warb für „KI-Souveränität“ statt Token-Abrechnung. Der Haken: Bei 93 Prozent Wachstum ist bereits viel Perfektion eingepreist – Palantir bleibt ein Wert für Anleger mit hoher Volatilitätstoleranz, auch wenn die Zahlen die KI-Nachfrage diesmal handfest belegen.

Ganz anders liest sich ein Detail aus den Zahlen von Microsoft, Amazon und Alphabet: Alle drei verbuchten im jüngsten Quartal beträchtliche Buchgewinne aus ihren Beteiligungen an Anthropic und OpenAI – beide werden in privaten Märkten inzwischen nahe der Billionen-Dollar-Bewertung gehandelt. Diese Gewinne lassen die Konzernergebnisse besser aussehen, als es das operative Geschäft hergibt. Amazon knackte am Montag die Marke von drei Billionen Dollar Marktkapitalisierung, doch ein Teil dieses Glanzes stammt aus Bewertungen, die keine Umsatzdeckung haben. Insgesamt lief die Q2-Saison stark – 86 Prozent der S&P-500-Unternehmen schlugen die Erwartungen, das Gewinnwachstum lag bei rund 29 Prozent. Aber wer diese 29 Prozent unbesehen als Qualität liest, übersieht, dass ein guter Teil davon Papier ist, kein Cash. Genau diese Unterscheidung – Palantirs 63 Prozent FCF-Marge gegen Big Techs Beteiligungsbuchgewinne – wird zum Gradmesser dieser Berichtssaison.

Coldcard-Hack: Die Grenzen der Selbstverwahrung

Für Krypto-Anleger lieferten die vergangenen Tage eine unbequeme Lektion. Eine Schwachstelle in den Hardware-Wallets von Coldcard führte zu einem der größten On-Chain-Diebstähle seit dem FTX-Kollaps: Die Verluste summieren sich auf über 100 Millionen Dollar, nach jüngsten Schätzungen bis zu 130 Millionen Dollar, verteilt auf tausende Adressen über mehrere Angriffswellen seit dem 30. Juli. Betroffen sind Seeds, die auf bestimmten Coldcard-Firmware-Versionen generiert wurden; der Hersteller hat inzwischen Notfall-Updates veröffentlicht.

Bemerkenswert ist die Reaktion der Anleger: Anders als beim FTX-Kollaps schicken sie ihr Bitcoin zurück auf die Börsen – die Zuflüsse kleiner Beträge erreichten den höchsten Stand seit dem FTX-Debakel. Bitcoin selbst hält sich mit rund 63.600 Dollar erstaunlich stabil, notiert über zwölf Monate aber noch immer rund 44 Prozent im Minus. Die Botschaft ist unbequem, aber klar: Selbstverwahrung schützt vor Börsenpleiten, nicht vor Firmware-Lücken. Wer physische Wallets nutzt, sollte Sicherheitsupdates so ernst nehmen wie Depotgebühren.

Deutsche Nebenwerte: Substanz gegen Prognosekorrektur

Auch abseits der US-Schlagzeilen liefert die deutsche Berichtssaison ein Lehrstück in Sachen Cashflow-Qualität. Bayer legt heute seine Zahlen zum zweiten Quartal vor – Pressekonferenz um 9:00 Uhr, Analystencall am Nachmittag. Die Aktie zog bereits vorbörslich an und steht im frühen Handel bei 48,86 Euro, ein Tagesplus von gut drei Prozent. Über zwölf Monate hat sich der Kurs damit mehr als verdoppelt, ein Plus von über 77 Prozent. Analysten blicken neben dem Agrargeschäft vor allem auf die Rechtsrisiken und den Restrukturierungsfortschritt; Rückenwind gab zuletzt der Einstieg des Finanzinvestors Apollo mit drei Milliarden Euro Eigenkapital für eine Minderheitsbeteiligung am Kontrazeptiva-Geschäft.

Deutlich unangenehmer verlief der Termin bei Beiersdorf. Der Konsumgüterkonzern senkte nach einem Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr die Jahresprognose: Der Umsatz fiel um 3,5 Prozent auf 4,95 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis sank auf 768 Millionen Euro. Die Kernmarke NIVEA schwächelte mit einem Umsatzrückgang von 6,8 Prozent, während die Dermatologie-Sparte um 7,8 Prozent zulegte. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Bereich und einer EBIT-Marge von mindestens 11,8 Prozent; parallel wurde ein 18-monatiger NIVEA-Turnaround-Plan beschlossen. Die Aktie gab im frühen Handel nach und notiert bei 78,44 Euro. Der Kontrast zu Bayer ist lehrreich: Wer Margen verteidigt und Cash generiert, wird belohnt. Wer Wachstumsversprechen zurücknehmen muss, wird abgestraft – unabhängig davon, wie bekannt die Marke ist.

Das große Bild

Diese Rally ruht auf zwei Wetten, die beide noch unbewiesen sind: dauerhafte geopolitische Entspannung und eine Konjunktur, die kräftig genug für die aktuellen Bewertungen ist. Das Iran-Dementi vom Dienstag hat die erste Wette bereits ins Wanken gebracht; der Arbeitsmarktbericht am Freitag entscheidet über die zweite. Dazwischen steht eine Fed, die durch schiere Unsicherheit strafft, ohne die Zinsen anzufassen – ein Umfeld, in dem 4,69 Prozent Rendite auf zehnjährige US-Anleihen kein Ausreißer, sondern der neue Normalzustand sein könnten. Wer in dieser Gemengelage nach Orientierung sucht, findet sie am ehesten in der Bilanz: Palantirs 63 Prozent Cashflow-Marge und Bayers operativer Fortschritt zeigen, wie werthaltiges Wachstum aussieht. Big Techs Beteiligungsbuchgewinne und Beiersdorfs gekappte Prognose zeigen, wo Papier beginnt und Substanz aufhört. Der Freitag wird zeigen, welcher dieser beiden Kategorien die 26.000 im DAX am Ende zuzurechnen sind.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.