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48 Stunden, die über den KI-Boom entscheiden: ASML und TSMC im Fokus

Die Quartalsberichte von ASML und TSMC könnten die hohen Bewertungen im Halbleitersektor bestätigen oder in Frage stellen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • ASML und TSMC legen Quartalszahlen vor
  • Nvidia verschärft Kundenkontrollen in Asien
  • SK Hynix erlebt Rekordkurssturz nach Börsendebüt
  • Ams Osram treibt Schuldenabbau voran

Zwei Zahlenwerke, ein Urteil: Wenn ASML am Mittwoch und TSMC am Donnerstag ihre Quartalsberichte vorlegen, geht es um mehr als Umsatz und Marge. Es geht um die Frage, ob der Halbleiter-Sektor seine hohen Bewertungen noch rechtfertigen kann. Parallel sorgt SK Hynix nach einem fulminanten Nasdaq-Debüt für den heftigsten Kurseinbruch der Firmengeschichte, Nvidia kämpft mit einer verschärften Kundenkontrolle in Asien, und Ams Osram muss Ratingagenturen von seiner Schuldenkur überzeugen.

Nvidia: Strengere Kontrollen treffen auf Bewertungsdebatte

Nvidia hat die Zahl der in Asien zugelassenen Käufer für seine KI-Chips mehr als halbiert. Grund ist eine neue Positivliste, die verhindern soll, dass Hardware über Umwege nach China gelangt. Mehr als die Hälfte der bisherigen Kunden, darunter zahlreiche Neo-Cloud-Anbieter, fiel bei der ersten Prüfung durch.

Der Konzern hat die Kontrollen auf Druck aus Washington verschärft. Mitarbeiter besuchen inzwischen Rechenzentren vor Ort, prüfen Verträge und befragen Endkunden. Die Kursreaktion blieb trotz der Tragweite verhalten: Am Montag rutschte die Aktie im Zuge eines breiteren Tech-Ausverkaufs ab, was eher dem Branchentrend als dieser Einzelmeldung zuzuschreiben war.

Aktuell notiert Nvidia bei 181,12 Euro, ein Plus von 1,27 Prozent zum Vortag und nahe dem 50-Tage-Durchschnitt. Auf Jahressicht steht ein Zuwachs von 12,43 Prozent zu Buche, verglichen mit teils dreistelligen Gewinnen bei Wettbewerbern wie AMD eine eher verhaltene Bilanz. Die Bewertung wirkt dabei günstiger als in früheren Zyklen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt des Unternehmens. Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch und stufen die Aktie klar zum Kauf ein.

SK Hynix: Vom Nasdaq-Triumph zum Rekord-Crash

Kaum ein Wert sorgte diesen Monat für mehr Nervenkitzel als SK Hynix. Nach einem fulminanten Wall-Street-Debüt am Freitag mit einem Kurssprung von 13 Prozent brach die Aktie am Montag in Seoul um mehr als 15 Prozent ein – der schwärzeste Handelstag der Firmengeschichte. Anleger nahmen Gewinne mit und stellten die Nachfrage nach KI-Speicherchips den enormen Kursgewinnen des laufenden Jahres gegenüber.

Die Turbulenzen strahlten auf den gesamten koreanischen Markt aus. Gemeinsam mit Rivale Samsung Electronics zog SK Hynix den Kospi zeitweise um 9 Prozent nach unten, was einen 20-minütigen Handelsstopp auslöste. Am heutigen Dienstag hat sich die Lage beruhigt: Die Aktie schloss bei 1.913.000 Won, ein Plus von 3,69 Prozent, nachdem sie zwischenzeitlich zwischen 1.678.000 und 1.936.000 Won geschwankt hatte – eine Spanne von 15,4 Prozent bei fast doppeltem Handelsvolumen.

Konzernchef Kwak Noh-jung widerspricht der Sorge vor Überkapazitäten deutlich. Er rechnet für 2027 mit der schärfsten Angebotsknappheit der Speicherbranche seit Jahren und erwartet, dass die Nachfrage die Produktionskapazitäten noch bis weit ins nächste Jahrzehnt übersteigen wird. Von 35 Analysten empfiehlt keiner den Verkauf, das durchschnittliche Kursziel liegt deutlich über dem aktuellen Niveau.

ASML: Höchste Erwartungen an das EUV-Monopol

Als einziger Hersteller von EUV-Lithografiesystemen für modernste KI-Chips legt ASML am Mittwochmorgen vor Handelsbeginn seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Optionsmarkt preist eine Kursbewegung von 8,36 Prozent nach der Veröffentlichung ein – mehr als das Doppelte des Durchschnitts der vergangenen vier Quartale. Gemeinsam mit dem TSMC-Bericht am Folgetag gilt der Ausblick als entscheidender Test für die „Peak-out“-Befürchtungen, die den Philadelphia-Halbleiterindex zeitweise um bis zu 16 Prozent von seinem Juni-Rekord gedrückt haben.

Wall Street erwartet einen Gewinn je Aktie von 7,94 US-Dollar bei einem Umsatz von 10,27 Milliarden US-Dollar, getragen von robuster Nachfrage nach EUV-Systemen für KI- und Hochleistungsspeicherchips. Bank of America hob ihr Kursziel auf 2.345 US-Dollar von zuvor 2.268 US-Dollar an und verwies auf höhere erwartete EUV-Auslieferungen sowie ein für 2027 praktisch ausgebuchtes Orderbuch.

Die Aktie bringt bereits einen starken Lauf mit ins Rennen. Aktuell steht ASML bei 1.544,20 Euro, ein Tagesplus von 1,61 Prozent und rund 56 Prozent über dem Jahresstart. Der Konsens der Analysten fällt eindeutig aus: klare Kaufempfehlung, mit einem Kursziel, das ein weiteres Aufwärtspotenzial von rund 18 Prozent signalisiert.

TSMC: Rekordumsatz legt die Messlatte für Donnerstag

TSMC hat die Antwort auf die Nachfragefrage bereits vorweggenommen – und zwar deutlich. Der weltgrößte Auftragsfertiger meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 1,27 Billionen Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 39,63 Milliarden US-Dollar. Das übertraf die Markterwartungen und entspricht einem Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von der ungebrochenen KI-Nachfrage.

Allein im Juni kletterte der Umsatz um 67,9 Prozent im Jahresvergleich und um 6,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das Halbjahresergebnis summiert sich damit auf ein Wachstum von 35,6 Prozent. Bemerkenswert: Der Juni durchbrach damit ein saisonales Muster, das vier Jahre in Folge bestand hatte, wonach der Umsatz im Juni stets gegenüber dem Vormonat zurückging. Analyst Sravan Kundojjala von SemiAnalysis wertet dies als Beleg dafür, dass die KI-getriebene Nachfrage sich nicht mehr am klassischen Konsumzyklus orientiert.

Das Management reagiert mit höheren Investitionsplänen und hebt die Kapitalausgaben für 2026 an das obere Ende der Spanne von 52 bis 56 Milliarden US-Dollar an. Für das Gesamtjahr wird ein Umsatzwachstum von mehr als 30 Prozent in US-Dollar erwartet. Aktuell notiert die Aktie bei 371,00 Euro, nahe ihrem 50-Tage-Durchschnitt und mit einem Jahresplus von 35,90 Prozent. Die vollständigen Zahlen folgen am Donnerstag.

Ams Osram: Infineon-Deal abgeschlossen, Schuldenfrage bleibt

Die Transformationsgeschichte von Ams Osram erreichte diesen Monat einen Meilenstein. Der Verkauf der Analog-Sensorsparte an Infineon, abgeschlossen am 1. Juli, passt zur strategischen Neuausrichtung auf digitale Photonik, die der Konzern Anfang 2026 eingeleitet hatte. Das Management leitet die Erlöse direkt in den Schuldenabbau und rechnet mit einer Reduzierung der Nettoverschuldung auf das 2,5-Fache des EBITDA, gegenüber zuvor dem 3,3-Fachen.

Ratingagenturen sind skeptischer. Fitch kommt mit einer strengeren Methodik auf einen Verschuldungsgrad von 6,3 zum Jahresende 2025 und warnt, dass die Bilanz trotz der Portfoliobereinigung angespannt bleibt – ein deutlicher Kontrast zur Marktbegeisterung. Auch operativ hakt es: Im ersten Quartal 2026 verbuchte der Konzern einen Nettoverlust von rund 154 Millionen Euro, ein Gewinn wird erst für 2027 erwartet.

Die Aktie hat das bislang nicht gebremst. Mit aktuell 20,70 Euro und einem Tagesplus von 3,50 Prozent liegt sie seit Jahresanfang 143,53 Prozent im Plus. Der nächste Prüfstein folgt am 4. August mit dem Halbjahresbericht, wenn sich zeigen muss, wie viel Schulden die Infineon-Erlöse tatsächlich getilgt haben.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte stehen für sehr unterschiedliche Positionen entlang der KI-Wertschöpfungskette:

  • Nvidia: Spitze der Wertschöpfungskette, aber zunehmend geopolitischer Reibung mit direkten Umsatzeffekten ausgesetzt
  • SK Hynix und TSMC: physisches Rückgrat der KI-Rechenleistung mit Rekordnachfrage, wobei SK Hynix‘ neue Nasdaq-Notiz für zusätzliche Volatilität sorgt
  • ASML: Monopolstellung bei EUV-Lithografie, deren Ausblick die gesamte Ausrüstungsbranche beeinflusst
  • Ams Osram: kleinerer, schuldenlastiger Turnaround-Fall, der von der Photonik-Euphorie profitiert, ohne direkt an der KI-Compute-Welle zu hängen

Der gemeinsame Nenner: Die Berichte von Mittwoch und Donnerstag entscheiden mit, ob die Erzählung vom unaufhaltsamen KI-Kapitalausgaben-Boom frische Volatilität wegstecken kann.

Woran sich die Woche entscheidet

Bei ASML zählt vor allem der Ausblick auf das zweite Halbjahr sowie jede Aussage zu den High-NA-EUV-Auslieferungen – der Optionsmarkt rechnet schließlich mit einem außergewöhnlichen Ausschlag. TSMC muss am Donnerstag zeigen, ob der Rekordumsatz im Juni auch in eine angehobene Jahresprognose mündet. Bei SK Hynix bleibt offen, ob sich die Kurslücke zwischen der US-Notiz und dem Seoul-Kurs stabilisiert oder den Kospi weiter in Atem hält. Nvidias Compliance-Umbau in Asien liefert Hinweise darauf, ob ausgeschlossene Käufer den Wiedereinstieg schaffen oder zu alternativen Anbietern abwandern. Und bei Ams Osram entscheidet der Halbjahresbericht am 4. August, ob die Entschuldungsstrategie die Skepsis der Ratingagenturen überwinden kann.

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