Der Auftrag von Energy Vault über 275 Megawatt reicht in der Auslieferungsplanung bis 2028; die ersten Anlagen sollen Ende 2027 geliefert werden. Wie viel wirtschaftliche Substanz lässt sich daraus heute für 2G Energy ableiten? Dieter Jaworski schaut auf den Abstand zwischen Bestellung und Ergebnis.

2G Energy (DE000A0HL8N9) — Schlusskurse 02.04.2026 bis 29.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 29.09.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Angenommen, Energy Vault ruft die bestellten Anlagen verbindlich ab: Wie stark würde das Ihre Bewertung verändern?
Dieter Jaworski: Erheblich. Die Bestellung ist ein gewichtiger Nachfragebeleg, und verbindliche Abrufe würden einen Teil der Unsicherheit beseitigen. Nur verdient 2G an den geplanten Lieferungen heute noch nichts. Für die Bewertung zählt, ob aus dem Auftrag verlässlich Umsatz und schließlich Gewinn wird; genau dieser Weg ist noch zu belegen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: 2G erwartet für 2026 einen Umsatz am oberen Ende seiner Prognose. Unterschätzen Sie die bereits belegte Stärke des Geschäfts?
Dieter Jaworski: Sie fragen nach der Nachfrage; ich frage, wie viel Gewinn daraus erwächst, bevor er in der Bewertung vorweggenommen wird. Der Analysten-Konsens liegt beim Umsatz für 2026 bereits nahe am oberen Rand der Unternehmensprognose. Eine Bestätigung dieser Erwartung wäre ordentlich, aber keine große Überraschung. Die Reservierung über 275 Megawatt ist noch kein gesicherter Umsatz.
Kapitalmarktexperten Redaktion: „Die Reservierung über 275 Megawatt ist noch kein gesicherter Umsatz.“ Warum werten Sie den Energy-Vault-Auftrag dann überhaupt als Nachfragebeleg?
Dieter Jaworski: Weil ein Kunde Anlagen in dieser Größenordnung bestellt hat. Das sagt etwas über den Bedarf. Über die Verbindlichkeit der Vereinbarung gibt es allerdings Streit, und die Auslieferung ist erst für Ende 2027 bis 2028 geplant. Nachfrage und verlässlich abrechenbares Geschäft liegen hier auseinander; ich gewichte die zweite Seite schwerer.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Woran messen Sie konkret, ob die Bewertung durch Ertragskraft gedeckt ist?
Dieter Jaworski: An der EBIT-Marge, also dem Anteil des operativen Gewinns vor Zinsen und Steuern am Umsatz. 2G stellt für 2027 mehr als 11 Prozent in Aussicht. Das ist ein anspruchsvoller Maßstab, den ich dem Unternehmen zutraue, aber noch nicht gutschreibe. Wenn verbindliche Abrufe vorliegen und 2G diese Marge 2027 tatsächlich erreicht, müsste ich meine Zurückhaltung aufgeben.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Der Analysten-Konsens traut 2G viel zu. Warum sollte Ihre Zurückhaltung überzeugender sein?
Dieter Jaworski: Ich traue dem Unternehmen ebenfalls viel zu. Ich will nur sehen, dass die Bestellung trägt. Bei einer großen Chance darf man trotzdem genau hinsehen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie machen die Bewertung an mehr als 11 Prozent EBIT-Marge für 2027 fest. Welches Urteil ziehen Sie bis dahin über die Aktie?
Dieter Jaworski: 2G hat ein gutes Geschäft und eine beachtliche Chance bei Rechenzentren. Meine Einschätzung der Bewertung ist vorsichtig positiv; die späten Erlöse und die offenen Vertragsfragen begrenzen meine Zuversicht. Die Größe des Auftrags beeindruckt mich. Entscheiden wird, was 2G damit verdient.
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