Wirecard: So weit können die Analysten auseinanderliegen

Vorgestern erst hat der Online-Bezahlspezialist Wirecard sehr gute Zahlen für das erste Quartal 2019 vorgelegt und angesichts des bislang schon Erreichten überraschend auch noch die Gesamtjahresprognose für 2019 angehoben. Bislang ging das Wirecard-Management von einem Jahres-EBITDA von 740 bis 800 Mio. Euro aus, jetzt erwartet man 760 bis 810 Mio Euro.

Gleichfalls erfreulich ist zudem, dass so langsam auch wieder Ruhe ins Unternehmen einkehrt, nachdem es zuletzt nach Anschuldigungen durch Journalisten der Financial Times über mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Transaktionen zu heftigen Kursturbulenzen kam. Das tut auch dem Aktienkurs gut, der sich in den letzten drei Monaten um rund 45% auf aktuelle 135,50 Euro erholt hat.

Spannend ist die Frage, wie es mittelfristig jetzt mit dem Aktienkurs von Wirecard weitergeht. Geht die Erholung weiter in Richtung der bisherigen Höchststände aus dsem August letzten Jahres knapp unter 200 Euro oder behalten die Pessimisten recht, die damit rechnen, das die Kurse mittelfristig wieder nachgeben und das aktuelle Kursniveau für zu teuer halten?

Beide Fraktionen lassen sich momentan auch unter den Analysten finden, die ihre Erwartungen u.a. auch aus den jüngst vorgelegten Quartalszahlen in ihre aktuellsten Studien haben einfließen lassen. Und dabei gehen die Einschätzungen, und damit auch die Schere bei den Kurszielen, ziemlich weit auseinander.

Auf der eher pessimistischen Seite stehen die Experten der US-Bank Citigroup. Sie sind der Meinung, der Markt verkenne die Risiken aus den Vorwürfen sowie den laufenden Untersuchungen in Singapur, und sehen in den Papieren deshalb einen Verkauf. Das Kursziel belassen sie deshalb auf 100 Euro.

Außerst positiv blicken dagegen die Analysten von Goldman Sachs auf das zukünftige Kurspotenzial von Wirecard-Aktien. Die vorgelegten Quartalszahlen sind nach Meinung von Analyst Mohammed Moawalla mit einem organischen Wachstum von 30 Prozent „robust“. Er belässt die Aktien auf seiner Convition Buy List“ und sieht mittelfristig ein Kursziel von 230 Euro.

Kursziel 100 Euro vs. Kursziel 230 Euro bei einem aktuellen Kurs von 135 Euro. Damit steht ein erwarteter Kursrückgang von rund 25% erwarteten Kurszuwächsen von 70% gegenüber. Man darf gespannt sein, welche der beiden US-Großbanken mit ihrer Prognose richtig liegt. Gleichzeitig zeigt aber der Blick auf die unterschiedlichen Analystenerwartungen, wie schwer es momentan für den Privatanleger ist, die richtige Entscheidung zu treffen. In diesen Fällen ist oft Abwarten und Geduld haben – ob investiert oder noch nicht – die bessere Entscheidung.

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