Gestern hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die von 2011 bis 2016 erhobene Brennelementesteuer nicht mit dem Grundgesetz vereinbar und deshalb verfassungswidrig ist. In den sechs Jahren von 2011 bis 2016 wurden je Gramm an Brennelementen, die neu in einen Reaktor kamen, 145 Euro fällig. Dadurch fühlten sich die Energiekonzerne gegenüber anderen Stromerzeugern benachteiligt und klagten – mit Erfolg – gegen die Bundesregierung.

Nachdem nun gestern das Urteil gefallen ist, dürfen die Atomkonzerne mit Rückzahlungen von insgesamt rund 6 Milliarden Euro rechnen. Und das hat bereits gestern zu kräftigen Kurssprüngen bei den beiden DAX-Werten RWE und E.ON geführt. RWE legten bis zum Handelsschluss um 5,5 % auf 19,54 Euro zu, E.ON um 5,2 % auf 8,47 Euro. Beide Werte waren damit gleichzeitig gestern die Top-DAX-Performer.

Goldman sieht weiter steigende Kurse bei RWE und E.ON

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts sieht die US-Investmentbank Goldman Sachs weiter deutliches Kurspotential für beide Werte und stuft deshalb die Einstufungen hoch und erhöht die Kursziele.

Für RWE erwartet Goldman-Analyst Alberto Gandolfi Rückzahlungen von bis zu 2 Milliarden Euro. Außerdem ist die RWE-Tochter Innogy ein potenzieller Übernahmekandidat, was zusätzliche Fantasie berge. Deshalb erhöht er seine Einstufung von „Neutral“ auf „Kaufen“ und erhöht das Kursziel von 16,50 auf 22,80 Euro. Bezogen auf das aktuelle Kursniveau entspricht das einem weiteren Aufwärtspotential von rund 17 %.

Bei E.ON dürften sich laut Alberto Gandolfi die erwarteten Rückzahlungen sogar bis auf 2,7 Milliarden Euro summieren, was die Kapitalausstattung des Konzerns deutlich verbessert. Deshalb rechnet er für die nächsten Jahre sogar mit einer erhöhten Dividende. Gandolfi belässt seine bisherige Einstufung auf „Buy“, erhöht das Kursziel aber von 8,60 auf 9,60 Euro. Bezogen auf den gestrigen Schlusskurs bedeutet das ein weiteres Aufwärtspotential für E.ON-Aktien von rund 12 %.