DAX-Wochenausblick: Anleger hoffen auf Fortsetzung der Kurserholung – DAX kämpft um 10.000er-Marke – Korrekturgefahr besteht weiterhin – ifo- und ZEW-Index am Dienstag  – Änderungen in den Aktienindizes: K+S verlässt DAX, ProSiebenSat1 steigt auf

21. März 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Newsletter

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Sehr geehrte Leser,

nach der EZB in der vergangenen Woche hat in der jetzt abgelaufenen Handelswoche auch die FED in ihrer letzten Sitzung ihr Festhalten an weiter rekordniedrigen Zinsen bekräftigt. Zwar soll es in diesem Jahr eventuell noch zwei kleinere Zinsschritte geben, aber das ist bei Weitem nicht das, was am Markt erwartet wurde. Allerdings dürfte sich damit trotzdem die Zinsschere zwischen dem Euroraum und den USA vergrößern, was dem Euro in dieser Woche kräftigen Auftrieb gab und den Dollar gegen die wichtigsten Währungen deutlich abrutschen ließ. Ein starker Euro ist in der Exportnation Deutschland nicht gern gesehen, weshalb der DAX nach dem FED-Entscheid am Mittwoch kurzfristig kräftig bis auf sein Wochentief bei 9.765 Zählern abgerutscht ist. Allerdings konnte er sich dann an den letzten beiden Handelstagen wieder deutlich erholen und die Woche mit einem kleinen Plus von 1,2 Prozent bei 9.950 Zählern, und damit knapp unter der 10.000er-Marke, beenden. Damit schließt der DAX nun schon die fünfte Woche in Folge mit einem Wochenplus.

Noch deutlicher als der DAX legte im Wochenverlauf der MDAX zu, der mit einem Plus von 1,4 Prozent auf 20.099 Punkte sogar wieder über die wichtige 20.000er-Marke klettern kann. Nicht wirklich vom Fleck kommt dagegen der TecDAX, der im Wochenvergleich ein halbes Prozent auf 1.610 Zähler verliert und dabei besonders unter deutlichen Kursverlusten einiger Schwergewichte leidet.

Wochengewinner in DAX, MDAX und TecDAX
Der DAX wird in der abgelaufenen Woche vom Baustoffzulieferer HeidelbergCement angeführt, der sehr gute Zahlen für 2015 berichtet hat, einen positiven Blick auf 2016 wirft und zudem die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr deutlich erhöht.

Im MDAX legen Aktien des Anlagen- und Maschinenbauers Dürr knapp 10 Prozent zu, ohne das wirklich kursbewegende Nachrichten vorliegen. Allerdings haben die Aktien seit Dezember letzten Jahres deutlich verloren, und nun scheinen erste Schnäppchenjäger die Aktien wieder für sich zu entdecken.

Wochensieger im TecDAX sind die Papiere des IT-Dienstleisters Bechtle. Auch hier sorgen gute Zahlen für 2015, eine sehr optimistische Prognose bis 2020 und eine deutliche Dividendenerhöhung für gute Laune bei den Anlegern.

DAX

  • HeidelbergCement: +4,2 Prozent
  • Siemens: +4,0 Prozent
  • BMW: +3,6 Prozent

MDAX

  • Dürr AG: +9,9 Prozent
  • KION Group: +7,9 Prozent
  • Stada: +6,7 Prozent

TecDAX

  • Bechtle: +9,9 Prozent
  • SLM Solutions: +7,6 Prozent
  • Aixtron: +7,2 Prozent

US-Börsen profitieren von FED-Entscheid
Die US-Börsen profitieren weiter von der Aussicht auf weiter billiges Geld von der FED sowie einem fallenden Dollarkurs und legen im Verlauf der Woche kräftig zu. Besonders deutlich sind die Kursgewinne nach der FED-Sitzung am vergangenen Mittwoch ausgefallen. Auf Wochensicht kann der Dow Jones deutlich um 2,6 Prozent auf 17.602 Zähler zulegen und damit erfolgreich an die Gewinne der Vorwochen anknüpfen. Bleibt das Umfeld so positiv, dann rücken so langsam auch wieder die Höchststände im Bereich von 18.300 Zählern ins Blickfeld der Marktteilnehmer. Der breiter gefasste S&P500-Index legt 1,3 Prozent auf 2.049 Punkte zu und an der Technologiebörse beschließt der Nasdaq Composite die Woche mit einem Plus von rund einem Prozent bei 4.795 Punkten.

Anleger hoffen auf Fortsetzung der Kurserholung – DAX kämpft mit 10.000er-Marke – Korrekturgefahr besteht aber weiter –  Verkürzte Osterwoche dürfte für ruhigeren Handel sorgen – ifo- und ZEW-Index am Dienstag – Änderungen in den Indizes
So langsam setzt sich bei immer mehr Anlegern die Meinung durch, dass die zu Jahresbeginn gestartete deutliche Korrektur so langsam ihr Ende gefunden haben könnte. Der DAX hat sich deutlich von den bisherigen Jahrestiefstständen im Bereich von 8.700 Punkten entfernt und kämpft aktuell bereits wieder mit der 10.000er-Marke, die letzte Woche kurz überwunden werden konnte. Als stützender Faktor wirkt weiter die Geldpolitik der führenden Notenbanken, denn die überbordende Liquidität sucht weiter verzweifelt nach Rendite, die aktuell scheinbar nur am Aktienmarkt zu finden ist. Auf Tages- und Festgeldkonten werden kaum noch Zinsen gezahlt, deutsche Staatsanleihen sind rekordteuer und am Immobilienmarkt warnen immer mehr Experten vor einer Blase. Und so fließt weiter kräftig Geld in den Aktienmarkt und sorgte zuletzt wieder für deutlich steigende Kurse.

Allerdings sollten Anleger bedenken, dass die Maßnahmen der Notenbanken bisher zu wenig greifbaren Erfolgen geführt haben und die Gefahr für Rückschläge an den Aktienmärkten nach wie vor besteht. Zumal nach der jüngsten Erholungsrallye wieder viele Teilnehmer auf kurzfristigen Gewinnen sitzen und in der aktuell eher unsicheren Zeit schneller bereits sind, diese zu realisieren.

Hauptaugenmerk in den kommenden Handelstagen sollten daher die Anleger zum einen auf die Kursentwicklung des Euro legen. Denn steigt der weiter, könnte dies negative Auswirkungen auf den deutschen Aktienmarkt haben. Außerdem sollten anstehende Konjunkturdaten genau beobachtet werden, da diese Rückschlüsse auf den Zustand der Wirtschaft diesseits und jenseits des Atlantik zulassen und damit am langen Ende auch auf die weitere Geldpolitik der Notenbanken. Aus deutscher Sicht dürften hier der am Dienstag anstehende ifo-Geschäftsklimaindex sowie der ZEW-Konjunkturindex besonders relevant sein.

Aufgrund des Osterwochenendes nur in der neuen Woche nur an vier Tagen gehandelt. Zudem dürften sich viele Marktteilnehmer bereits vor Ostern in den Urlaub verabschieden, weshalb das Handelsvolumen deutlich zurückgehen dürfte. Einerseits kann dies zu einem eher ruhigen (langweiligen?) Handel führen. Andererseits besteht durch das geringere Handelsvolumen aber immer die Gefahr, dass bei marktbewegenden Nachrichten die Schwankungen heftiger ausfallen, da bereits kleinere Orders größere Bewegungen auslösen.

Zu Wochenbeginn stehen in der neuen Handelswoche zahlreiche Veränderungen in den deutschen Aktienindizes an. So wird der Salz- und Düngemittelhersteller K+S aus dem Index rutschen und durch den Medienkonzern ProSiebenSat1 ersetzt werden. Neben K+S, die dann im MDAX notiert sein werden, rücken auch der Handelskonzern Steinhoff sowie das Immobilienunternehmen Alstria Office Reit in den MDAX auf. Aus dem MDAX rutschen Klöckner und ElringKlinger ab.

Nachdem der DAX zum Wochenschluss knapp an der 10.000er-Marke gescheitert ist, dürfte der deutsche Leitindex bereits zum Wochenstart einen neuen Versuch unternehmen, die runde Marke nachhaltig zu überwinden. Aktuell befindet sich der DAX in einem kurzfristigen Aufwärtstrend, der Anfang Februar begonnen wurde. Als wichtiger Widerstandsbereich ist aktuell die Zone bei 10.030/65/75 Punkten auszumachen. Gelingt der Sprung über diesen Bereich, könnte die obere Trendbegrenzung im Bereich 10.350/80 Punkten die nächste Zielmarke sein. Auf der Unterseite dagegen liegen wichtige kurzfristige Unterstützungsmarken bei 9.780 Punkten (Tief vom 17.03.2016) und 9.660 Punkten (Gab zum Tief vom 11.03.2016).

Aktuell wird der DAX bei Lang & Schwarz im Bereich seines Freitagsschlusskurses bei 9.948 Punkten berechnet. In etwa in dieser Höhe erwarten wir auch den Start in die neue Handelswoche.

Wichtige Termine der kommenden Woche
Von konjunktureller Seite stehen in der nächsten (verkürzten) Handelswoche u.a. folgende Daten zur Veröffentlichung an:

  • USA: Chicago FED Aktivitätsindex (Montag)
  • USA: Verkäufe bestehender Häuser (Montag)
  • DE: ifo-Geschäftsklimaindex (Dienstag)
  • DE: ZEW-Konjunkturerwartung (Dienstag)
  • USA: Markit Manufacturing PMI (Dienstag)
  • DE: Gfk-Verbrauchervertrauen (Donnerstag)
  • USA: Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter (Donnerstag)
  • USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Donnerstag)
  • USA: Persönliche Konsumausgaben (Freitag)
  • USA: Bruttoinlandsprodukt (Freitag)

Die gute Nachricht zum Schluss
Viel wurde und wird über das sogenannte „Helikoptergeld“ diskutiert. Denn wenn die zur Liquditätsflutung der Notenbanken eingesetzten Null- und Strafzinsen sowie Anleihekäufe in historischen Dimensionen nichts ausrichten und nicht da ankommen (die Wirtschaft, die Unternehmen, als Investitionskredite), wo sie eigentlich landen sollen, dann erhöht sich massiv das Risiko von neuen Spekulationsblasen. Und die Konjunktur kommt trotzdem nicht in Schwung.

Deshalb fordern einige Wirtschaftswissenschaftler schon länger, die Liquidität dort zu platzieren, wo sie wirklich nützt, nämlich beim Endverbraucher. Denn der wird das Geld (auch wegen der Nullzinsen) schon in den Wirtschaftskreislauf pumpen und die Konjunktur wird tatsächlich belebt. Von Helikoptergeld spricht man, weil die EZB das Geld quasi von oben (mit dem Helikopter) über die Bürger ausschütten würde. Und genau diese Idee der Geldgeschenke scheint nun in Kreisen der EZB-Verantwortlichen immer mehr Fans zu finden und wäre der nächste Schritt der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanker. Zuletzt hatte Draghi in seiner Pressekonferenz von einem „sehr interessanten Konzept“ gesprochen.

Also liebe Leser: Beim Verlassen des Hauses immer schön die Augen offen halten und nach oben blicken. Eventuell sind das, was da von oben rieselt, nicht verspätete Osterschneeflocken, sondern 100-Euro-Scheine mit dem Konterfei von Mario Draghi. Quasi der nächste (verzweifelte) Versuch, die Wirtschaft durch immer mehr Geld doch noch irgendwann zum Laufen zu bringen.

In diesem Sinne: Bleiben Sie wachsam.

Allen eine erfolgreiche Handelswoche und ein schönes Osterfest.

Torsten Pinkert

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