DAX-Wochenausblick: Marktteilnehmer hoffen auf Stabilisierung und Rückeroberung der 9.000er-Marke – Volatilität bleibt hoch und Abwärtsrisiken überwiegen weiter – Rezessionsangst steigt – Ölpreis und Notenbanken geben weiter den Takt vor

15. Februar 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Newsletter

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Sehr geehrte Leser,

der Aktienmarkt hat auch in der letzten Woche seine Korrektur fortgesetzt und weiter deutlich nachgegeben. Und die Schwankungsbreite an den Märkten bleibt weiter sehr hoch, was beim DAX zu einer sehr großen Handelsrange auf Wochenbasis führte. Der Start in die neue Handelswoche verlief noch recht hoffnungsvoll, der DAX kletterte bereits am Montag auf sein Wochenhoch bei 9.328 Zählern. Ab da ging es aber im Zuge eines erneut kräftig einbrechenden Ölpreises bis zur Wochenmitte kräftig abwärts, am Donnerstag wurde kurz nach Handelseröffnung bei 8.700 Zählern das Wochentief markiert. Damit erreichte der DAX gleichzeitig seinen tiefsten Stand seit rund zwei Jahren und immer mehr Experten sehen Parallelen zur Entwicklung im Krisenjahr 2008.

Dass an den letzten beiden Handelstagen dann eine kleine Erholungsrallye einsetzte, war ebenfalls dem Ölpreis zu verdanken. Öl der Sorte Brent verteuerte sich vom Wochentief am Donnerstag bei 29,98 USD bis zum Freitag um rund 10 Prozent auf 32,67 USD und zog auch die Aktienmärkte wieder nach oben. Der DAX konnte sich bis zum Freitagsschluss noch bis auf 8.967 Zähler erholen und damit nur knapp unter der 9.000er-Marke schließen. Das bedeutet aber immer noch ein kräftiges Wochenminus von 3,4 Prozent, was die Verluste im DAX seit Jahresbeginn inzwischen auf rund 25 Prozent summiert.

Weiter im Krisenmodus befindet sich auch der BUND-Future sowie der Goldpreis. Die Anleger suchen verzweifelt ihr Heil in vermeintlich sicheren Anlagen und flüchten an den Rentenmarkt sowie in die Krisenwährung Gold. Der BUND-Future hat im Wochenverlauf bei 166,04 Prozent ein neues Allzeithoch markiert, die Umlaufrendite liegt weiter unter 0,2 Prozent. Und der Goldpreis klettert auf sein neues Jahreshoch bei 1.240 USD.

Glaubt man der Mehrzahl der Marktbeobachter, dann ist die Korrektur noch lange nicht vorbei, d.h. der DAX hat seine Talsohle noch nicht durchschritten. Der Bereich um die 8.330 Punkte wird inzwischen häufig als nächstes markantes Kursziel genannt.

Auch die zweite Reihe hat in der abgelaufenen Handelswoche wieder kräftig verloren, prozentual sogar noch deutlicher als der DAX. Besonders Technologiewerte befinden sich auf der Verkaufsliste, die Angst vor dem Platzen einer neuen Internetblase drückt Internetwerte häufig an die Spitze der Verliererliste. Der TecDAX büßte in der vergangenen Woche 5,1 Prozent auf 1.512 Punkte ein. Der Index der mittelgroßen deutschen Unternehmen MDAX gab im Wochenverlauf 4,1 Prozent auf 17.924 Punkte nach.

Wochengewinner
Gerade drei Werte schaffen es im DAX in der abgelaufenen Handelswoche ins Plus. Bei allen drei Werten handelt es sich dabei um die großen Verlierer der Vorwochen. Die Banken Commerzbank und Deutsche Bank profitieren dabei von einer Kursrallye am letzten Handelstag der Woche, als die Commerzbank nach Vorlage von unerwartet guten Zahlen für 2015 einen Sprung von 18 Prozent vollzieht. Im Sog der Commerzbank legen Deutsche Bank – Aktien am Freitag um 12 Prozent zu.

Der MDAX wird angeführt von Gerresheimer, Salzgitter und Kion. Salzgitter profitiert dabei von der Meldung, dass Strafzölle der EU auf Stahlerzeugnisse aus China und Russland den Preisverfall bei Stahl stoppen sollen. Kion-Aktien legen zu, nachdem das Unternehmen ankündigt, weiter durch Zukäufe wachsen zu wollen.

Im TecDAX schaffen es nur mit Stratec und Drägerwerk nur zwei Werte, die Woche im Plus zu beenden.

DAX

  • Commerzbank: +3,3 Prozent
  • ThyssenKrupp: +0,5 Prozent
  • Deutsche Bank: +0,2 Prozent

MDAX

  • Gerresheimer: +7,5 Prozent
  • Salzgitter: +4,9 Prozent
  • Kion: +3,1 Prozent

TecDAX

  • Stratec: +4 Prozent
  • Drägerwerk: +2,5 Prozent
  • Qiagen: -0,5 Prozent

US-Börsen
Auch in den USA geht die Talfahrt an den Börsen weiter, wenngleich die Verluste und Kursausschläge bei weitem nicht so kräftig ausfallen wie hierzulande. Der Dow Jones gibt in der abgelaufenen Handelswoche 1,4 Prozent auf 15.973 Zähler nach, der S&P500 verliert 0,9 Prozent auf 1.864 Punkten.

In den USA wächst die Sorge vor einer möglichen Rezession der US-Wirtschaft. Und die mit Spannung erwartete Rede von FED-Chefin Janet Yellen vor dem US-Kongress im Rahmen ihrer halbjährlichen Anhörung zur Geldpolitik gab nur wenig Hinweise, wie die FED die Lage einschätzt und wann die nächsten Zinsschritte folgen könnten. Und Unsicherheit hat der Börse noch nie gutgetan.

Märkte bleiben volatil – DAX-Start im Bereich 9.000 Punkte – Abwärtsrisiken weiter hoch, China im Blick
Zwar konnten sich die Aktienmärkte zum Ende der vergangenen Woche leicht erholen, die Erholung wurde allerdings nur von wenigen Werten getragen. Der DAX profitierte hauptsächlich von der kleinen Erholungsrallye der Bankwerte nach den guten Zahlen der Commerzbank. Insgesamt bleibt der Aktienmarkt aber stark angeschlagen und die Risiken auf der Unterseite überwiegen deutlich. Viele Marktbeobachter sehen starke Parallelen zum Krisenjahr 2008 mit weiteren deutlichen Kurskorrekturen und raten zum Einstieg auf dem aktuellen Niveau vorerst ab. Vielmehr nutzen die Marktteilnehmer jede noch so kleine Erholung, um weitere Bestände abzubauen. Dies jedoch macht den Markt eher zu einer Spielwiese für kurzfristig orientierte Trader, die auf den kräftigen Kursausschlägen mitschwimmen und ihre Gewinne machen.

Vorerst empfiehlt es sich eher, an der Seitenlinie zu verharren und bessere (bzw. klarere) Gelegenheiten abzuwarten. Solange weiter unklar ist, ob die USA nicht tatsächlich wieder in eine Rezession abgleiten und auch aus China keine Entwarnung kommt, könnte der Aktienmarkt durchaus weiter seine Korrektur fortsetzen und in Richtung der schon oft beschriebenen Widerstandsmarke von 8.330 Punkten marschieren. Und hier wird sich dann wirklich zeigen, ob der DAX bereits stark genug ist, um eine echte Gegenbewegung zu starten oder ob an dieser Marke der tatsächliche Ausverkauf beginnt. Dann könnte sich die Korrektur zu einem echten Crash ausweiten.

Aber soweit ist es noch nicht. In der jetzigen Situation empfiehlt es sich, Ruhe zu bewahren und insbesondere bei Konjunkturdaten ganz genau hinzuschauen, von denen insbesondere aus den USA nächste Woche jede Menge auf den Kalender stehen. Außerdem spielt die Geldpolitik der Notenbank weiter eine wichtige Rolle, weshalb die am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsprotokolle zur letzten FED-Sitzung von großem Interesse sein werden. Es zeichnet sich ab, dass die nächste Zinserhöhung durch die FED wohl doch noch eine Weile auf sich warten lassen dürfte.

Auch die chinesischen Aktienmärkte spielen nächste Woche wieder eine große Rolle für den deutschen Aktienmarkt, nachdem in der vergangenen Woche Chinas Börsen wegen dem Neujahrsfest geschlossen blieben. Am Montag werden chinesische Außenhandelszahlen veröffentlicht, und die könnten bereits zum Wochenbeginn bereits ein guter Indikator sein, wohin die Reise geht. Denn kehren die Anleger am chinesischen Aktienmarkt zurück, könnte das auch eine Sogwirkung für den Rest der (Aktien)Welt haben.

Dagegen fehlen am Montag Impulse aus den USA, denn dort bleibt der Markt wegen des Presidents‘ Day geschlossen.

Der deutsche Aktienmarkt dürfte in die neue Woche leicht über den Schlussständen vom letzten Freitag starten. Sogar eine Handelseröffnung im DAX über der 9.000 Punkte-Marke scheint möglich. Aktuell wird der DAX bei Lang & Schwarz genau im Bereich von 9.000 Punkten taxiert.

Wichtige Termine der kommenden Woche
Neben den chinesischen Außenhandelsdaten am Montag sollten sich Anleger die am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Sitzungsprotokolle der FED ansehen.

Weitere wichtige Konjunkturdaten der laufenden Woche sind u.a.:

  • das japanische Bruttoinlandsprodukt (Montag),
  • die ZEW-Konjunkturerwartung (Dienstag),
  • der NY-Empire-State-Index (Dienstag),
  • der US-Erzeugerpreisindex (Mittwoch),
  • die US-Kapazitätsauslastung und -Industrieproduktion (Mittwoch),
  • die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Donnerstag),
  • der deutsche Erzeugerpreisindex (Freitag) und
  • der US-Verbraucherpreisindex (Freitag).

Dagegen nähert sich die Bilanzberichtssaison ihrem endgültigen Ende. Aus deutscher Sicht dürften in der kommenden Woche u.a. noch die Zahlen von Bertrandt (Montag), HeidelbergCement (Dienstag), Beiersdorf (Mittwoch), Deutsche Börse (Mittwoch), Kuka (Mittwoch), Puma (Donnerstag), Allianz (Freitag) und Fuchs Petrolub (Freitag) interessant sein.

Die gute Nachricht zum Schluss
Das Handelsblatt berichtet heute, dass die Deutschen immer mehr Arbeitsstunden leisten, inzwischen jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland mehr als 48 Stunden pro Woche arbeitet. Die Gesamtzahl an Überstunden in 2014 ist demnach auf mehr als 46 Stunden angestiegen.

Aber hey, es geht auch anders. Man muss nur wissen wie. Denn in Spanien hat es ein Beamter doch tatsächlich geschafft, einfach sechs! Jahre lang nicht mehr zu Arbeit zu gehen, ohne dass es jemand merkt. Und trotzdem über die gesamte Zeit pünktlich das Gehalt zu kassieren und dabei maximal relaxen. Und aufgefallen ist es nur, weil er eine Auszeichnung für sein 20jähriges Dienstjubiläum erhalten sollte, verdammt.

Nicht bekannt ist allerdings in diesem Fall, ob er es auch noch geschafft hat, in dieser Zeit zusätzliche Überstunden aufzubauen. Also: Gehen Sie die Woche entspannt an, nicht immer ist Arbeit gleich Arbeit.

In diesem Sinne: Allen eine erfolgreiche Handelswoche.

Torsten Pinkert

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