DAX-Wochenausblick KW05/2016: Unsicherheit bleibt weiter hoch, Schwankungsbreite auch – Abwärtstrend (noch) intakt – Chinesische Konjunkturdaten und US-Arbeitsmarkt im Blick – Trendwende beim Ölpreis?

1. Februar 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Newsletter

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Wochenrückblick
der Monat Januar des Jahres 2016 geht zu Ende, und der DAX beendet diesen mit dem größten Monatsverlust seit dem Nachkrisenjahr 2009. Insgesamt neun Prozent verlor der Deutsche Leitindex an Wert, nur zweimal in der gesamten DAX-Geschichte waren die Verluste überhaupt größer (Krisenjahre 2008 und 2009). Und es hätte noch weitaus schlechter aussehen können, hätte nicht am Freitag die japanische Notenbank die Einführung von Negativzinsen angekündigt, was dem DAX zum Wochenschluss noch einen versöhnlichen Tagesgewinn von 1,6 Prozent bei 9.798 Punkten beschert hat. Nachbörslich kletterte der DAX am Freitag noch ein Stück weiter bis auf 9.834 Zähler und damit nahe an das Wochenhoch bei 9.895 Punkten.

Auf Wochensicht kann der DAX einen kleinen Gewinn von knapp 0,4 Prozent verbuchen. Etwas deutlicher zulegen kann die zweite Reihe. Der Technologieindex TecDAX steigt bis Freitag um 1,2 Prozent auf 1.688 Punkte, der MDAX legt 1,4 Prozent auf 19.478 Zähler zu. Die größten Zuwächse in den jeweiligen Indizes verzeichneten dabei:

Wochengewinner

DAX

  • Fresenius: +7,4 Prozent
  • RWE: +7,4  Prozent
  • E.ON: +6,1 Prozent

MDAX

  • Rheinmetall: +10,8 Prozent
  • ElringKlinger: +8,2 Prozent
  • Ströer Media: +6,9 Prozent

TecDAX

  • Sartorius +11,4 Prozent
  • Software AG: +7,1 Prozent
  • Nordex: +5,6 Prozent

Besonders die Aufholjagd der beiden größten deutschen Stromversorger E.ON und RWE nach den heftigen Verlusten der Vorjahre hat den DAX zu Jahresbeginn so etwas wie Stabilität gebracht. Und immer mehr Experten trauen E.ON und RWE weitere Kursgewinne zu, nachdem erste Umstrukturierungen nun Früchte zu tragen scheinen.

Im MDAX setzen sich die Aktien von Rheinmetall an die Spitze, nachdem der Konzern einen Großauftrag aus Mexico vermelden konnte.

Im TecDAX können Nordex-Aktien einen Teil der Verluste seit Jahresbeginn wieder aufholen, nachdem das Unternehmen in den letzten Tagen wieder mehrfach über neue Großaufträge berichtet hat.

Geldpolitik, China und Ölpreis bestimmen das Handelsgeschehen
Die Geldpolitik von FED, EZB und BoJ, der Zustand der chinesischen Volkswirtschaft und der Ölpreis waren auch in der zurückliegenden Handelswoche wieder die marktbestimmenden Themen, so dass die aktuell stattfindende US-Bilanzberichtssaison eher nur am Rande wahrgenommen wird und kaum Einfluss auf das große Ganze hat.

Zu Wochenbeginn rutschte der DAX auf sein Wochentief bei 9.573 Zähler, als der Ölpreis am Dienstag ebenfalls sein Wochentief bei 30,23 USD (Brent) markierte. Ab den Dienstag zog dann die Notierung beim Öl kräftig an und kletterte bis zum Wochenschluss um fast 20 Prozent auf den Wochenschluss bei 35,95 USD (Brent). Und zog gleichfalls den Aktienmarkt ab der Wochenmitte mit nach oben, das Wochenhoch wurde am Donnerstag bei 9.895 Punkten markiert.

Für heftige Bewegung am Markt sorgte die FED, die am Mittwoch nicht an der Zinsschraube drehte und gleichzeitig vor größeren Risiken für die Weltwirtschaft warnte. Das, in Verbindung mit der in der Vorwoche von der EZB angekündigten weiter expansiven Geldpolitik, sorgte am Aktienmarkt zur Wochenmitte kurzfristig für heftige schwankende Notierungen, am Rentenmarkt dagegen für neue Rekordstände. Der BUND-Future kletterte an fast jedem Handelstag der Woche auf eine neue Rekordmarke und beendete den Handel am Freitag mit 163,40 Prozent und damit so hoch wie noch nie in seiner Geschichte. Was die Umlaufrendite auf das Rekordtief von 0,20 Prozent drückt.

Nur leichte Kurserholung in den USA
Etwas deutlicher als hierzulande fiel die Erholung der Aktienmärkte in der zurückliegenden Woche in den USA aus. Insbesondere das weiter niedrige Zinsumfeld und damit fortgesetzt billiges Notenbankgeld und möglicherweise kein schneller nächster Zinsschritt hat ab der Wochenmitte zu deutlich steigenden Kursen geführt. Der Dow Jones kletterte auf Wochensicht um 2,3 Prozent auf 16.466 Punkte, der S&P500 legte 1,8 Prozent auf 1.940 Zählern zu.

Ölpreis und Notenbanken bestimmende Themen der kommenden Woche – Märkte bleiben angeschlagen und Nervosität hoch
Auch in der neuen Handelswoche bleiben die Notenbanken, der Zustand der chinesischen Volkswirtschaft und der Ölpreis die bestimmenden Themen. Hinzu gesellen sich die US-Arbeitsmarktdaten, die kommenden Freitag anstehen, sowie der Zinsentscheid der Bank of England am Donnerstag.

Interessant wird es aber bereits am kommenden Montag, wenn in China der Einkaufsmanagerindex für den Januar veröffentlicht wird. Sollte es hier zu einer Enttäuschung kommen, könnte das bereits zu Wochenbeginn den chinesischen Aktienmarkt wieder auf Talfahrt schicken, mit den inzwischen bekannten Auswirkungen auf die restlichen wichtigen Börsenplätze.

Ebenfalls hochinteressant dürften Konjunkturdaten aus den USA sein. Nachdem die FED letzten Mittwoch wieder gestiegene Risiken für die Weltwirtschaft erkannt hat, dürften die US-Notenbanker jetzt noch genauer hinschauen, in welche Richtung – und mit welchem Tempo – sich die US-Wirtschaft bewegt und ihre Geldpolitik entsprechend ausrichten. Neben dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag dürften deshalb besonders der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes (Montag), der Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (Mittwoch) sowie der Auftragseingang der US-Industrie (Donnerstag) von großem Interesse sein. Zudem steht am Mittwoch bereits der ADP-Arbeitsmarktbericht auf dem Programm, ein meist zuverlässiger Indikator für die Arbeitsmarktzahlen am Freitag. Aus deutscher Sicht interessant dürften die Arbeitsmarktzahlen am Dienstag und der Auftragseingang der deutschen Industrie (Freitag) sein.

Den Aktienmarkt sehen die meisten Experten auch in der nächsten Woche weiter stark schwanken und um die zukünftige Richtung kämpfen. Nach wie vor ist der Abwärtstrend intakt und die Aufwärtsbewegung der letzten Woche eine Korrekturbewegung im Abwärtstrend (Stichwort: Bärenmarktrallye). Allerdings hat diese Korrekturbewegung den DAX letzte Woche an die obere Begrenzung des Abwärtstrendkanals geführt, wo er momentan notiert. Enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China oder den USA oder neue Kurseinbrüche beim Öl könnten dafür sorgen, dass das von vielen Experten aktuell bevorzugte Szenario einer Bärenmarktrallye eintritt und der DAX an der oberen Begrenzung abprallt und wieder Fahrt Richtung Unterseite aufnimmt. Dann könnte schnell wieder der Bereich von 9.500 Punkten angesteuert werden, hier liegen auch Tiefs aus dem September und Oktober 2015. Werden diese erneut unterschritten, dürften auch die bisherigen Jahrestiefs bei 9.338/25/15 Punkten die nächsten Zielmarken sein.

Auf der Oberseite dürfte sich das Gesamtbild erst dann zum Besseren wenden, wenn das 38,2%-Fibonacci-Retracement der Korrekturbewegung seit dem Jahresbeginn überwunden wird, das aktuell bei ca. 9.900 Punkten verläuft. Dann wären im weiteren Verlauf auch Kursgewinne bis in den Bereich 10.120/25 Zähler möglich.

Die neue Handelswoche dürfte der DAX nach aktuellem Indikationsstand im Bereich seines Schlusskurses vom Freitag, 22.00 Uhr und damit in einer Region von 9.800 bis 9.850 Zähler beginnen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die am Montag anstehenden Wirtschaftsdaten aus China nicht zu sehr enttäuschen und damit verbunden die asiatischen Börsen nicht wieder auf Talfahrt schicken. Das könnte sonst das gesamte „Wochenanfangs-Szenario“ zerstören, die Karten wären wieder komplett neu gemischt. Gleiches gilt natürlich auch für den Fall, dass die Daten aus China überraschenderweise mal besser ausfallen als erwartet.

Außerdem spielt die weitere Entwicklung beim Ölpreis weiter eine zentrale Rolle. Setzt sich hier die Stabilisierung aus der letzten Woche fort, könnte sich das auch positiv auf die Aktienmärkte auswirken. Zuletzt kursierten Gerüchte, dass Saudi-Arabien eine Kürzung der Ölfördermenge von fünf Prozent vorgeschlagen hat und ein kurzfristiges Treffen der OPEC bevorstehen soll. Sollten dies alles nur Gerüchte sein und der Ölpreis in der kommenden Woche wieder nachgeben, dürfte das auch den Aktienmarkt zusätzlich belasten.

Wichtige Unternehmenszahlen der kommenden Woche
Die Bilanzberichtssaison in den USA ist voll im Gange und wird in der kommenden Woche auch in Europa und hierzulande an Fahrt aufnehmen.

In den USA werden in der kommenden Woche u.a. Alphabet (Google), Yahoo, Dow Chemical, Merck, General Motors, Pfizer und Philip Morris über die Geschäfte des letzten Quartals berichten.

In der Eurozone und Deutschland sollten Anleger u.a. bei den folgenden Unternehmen genauer hinschauen:

  • Sartorius (Montag)
  • Infineon (Dienstag)
  • Wacker Chemie (Dienstag)
  • Nemetschek (Dienstsag)
  • Qiagen (Dienstag)
  • OSRAM (Mittwoch)
  • Daimler (Donnerstag)
  • Vodafone (Donnerstag)
  • Münchner Rück (Donnerstag)
  • Gea Group (Donnerstag)
  • CompuGroup (Donnerstag)
  • Credit Suisse (Donnerstag)

Die gute Nachricht zum Schluss
Wer Ende dieser Woche seit langem mal wieder auf die Kursnotierungen am Rentenmarkt geblickt hat, weil er möglicherweise lange im Urlaub war, keinen Bock auf Börse hatte oder auf einer einsamen Insel verschollen war, der sollte jetzt nicht sofort in den Keller laufen und die Notrationen prüfen. Denn die gute Nachricht ist: Nein, wir haben keinen Krieg und auch sonst keine verheerende Naturkatastrophe zu verzeichnen.

Der BUND-Future, der sichere Hafen in unsicheren Zeiten, ist zwar tatsächlich auf den unglaublichen Rekordwert von 163,40 Prozent gestiegen, die Umlaufrendite damit auf den Rekordwert von 0,20 Prozent gefallen. Aber das ist vielmehr auf die weiter expansiven Geldpolitik der EZB, verbunden auch mit der Geldpolitik der FED und nun auch der BoJ, zurückzuführen.

Damit dürfen sich alle die freuen, die im BUND long sind. Und für alle anderen: Der BUND kann – schon rein mathematisch – nicht unendlich steigen und wird irgendwann auch wieder auf „normale“ Niveaus fallen.

Ach: Und nächste Woche soll Frühlingswetter werden 🙂

In diesem Sinne: Allen eine erfolgreiche Handelswoche.

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