Commerzbank: Begeisterung nach den Zahlen – Aktie springt zweistellig – Ist das die Trendwende?

12. Februar 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Unternehmensnachrichten

Commerzbank-Aktionäre dürften sich heute verwundert die Augen reiben und beim Blick auf die DAX-Gewinner- und -Verliererliste etwas länger gesucht haben, bevor sie die Aktien von Deutschlands zweitgrößter Privatbank gefunden haben. Denn die befanden sich heute mal nicht ganz am Ende, sondern mit einem dicken Kurssprung von aktuell 13 Prozent auf 7,30 Euro ganz oben auf der DAX-Gewinnerliste.

Die aktuelle Kursreaktion drückt dabei aber wohl nur zu einem gewissen Teil die Begeisterung über die vorgelegten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr aus, vielmehr dürfte der Kurssprung von großer Erleichterung der Aktionäre geprägt sein. Denn schon seit Wochen fallen Commerzbank-Aktien wie ein Stein und notierten zuletzt sogar deutlich unter dem Niveau während der Finanzkrise 2008. Alleine seit Jahresbeginn summierten sich die Verluste bis gestern auf über 30 Prozent. Die Sorge der Anleger war groß, dass das Abgleiten der Weltwirtschaft in eine neue Rezession die Commerzbank schwer treffen könnte und damit die Verluste aus Risikobeteiligungen wieder steigen, die Neuausrichtung nur schleppend in Schwung kommt und der stetig sinkende Marktwert sogar den Verbleib im DAX gefährden könnte.

Als diese Sorgen der letzten Woche, Monate und (ja!) sogar Jahre lösen sich heute – kurzfristig zumindest – in der heftigen Kursreaktion nach oben auf. Denn die heute präsentierten sehr guten Zahlen und der erreichte Milliardengewinn signalisieren, das es der Coba vermutlich doch besser als gedacht gelingen könnte, die Kurve zu kriegen. Insbesondere, da das Privatkundengeschäft, auf das die Commerzbank in ihrer neuen Strategie verstärkt setzt, deutlich zulegen konnte.

Wie das Unternehmen heute mitteilt, konnte im Jahr 2015 das operative Ergebnis auf 1,9 Milliarden Euro fast verdreifacht werden. Die Erträge der Bank stiegen um 11,4 Prozent bzw. eine Milliarde Euro auf 9,76 Milliarden Euro. Sehr erfreulich auch der mit 40 Prozent sehr starke Rückgang der Risikovorsorge auf 696 Millionen Euro, was auf den deutlichen Rückgang der Risiken bei ausstehenden Krediten hinweist.

Das Konzernergebnis in 2015 kletterte um unglaubliche 300 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro und war damit auch deutlich höher als erwartet.

Angesichts der überraschend guten Zahlen gibt es für die Aktionäre seit 2008 auch wieder eine Dividende. Pro Aktie will die Coba 0,20 Euro an die Aktionäre ausschütten. Klingt erstmal wenig. Aber angesichts der starken Kursrückgänge der letzten Zeit entspricht das inzwischen bereits einer stattlichen Dividendenrendite von rund 4 Prozent. Also recht lukrativ für all diejenigen, die erst kürzlich in die Aktie eingestiegen sind.

Ein kleiner Wermutstropfen an den aktuell sehr guten Zahlen ist der Abschied von Konzernchef Martin Blessing im Oktober 2016. Denn damit geht der Mann, der die jetzt gut vorgelegten Zahlen verantwortet. Man darf gespannt sein, wer dem oft gescholtenen Blessing, der aber offensichtlich keinen so schlechten Job gemacht hat, nachfolgen wird. Wer immer es auch wird, er könnte die Commerzbank am Punkt einer möglichen Trendwende übernehmen. Sollte der an die jetzt vorgelegten guten Zahlen anknüpfen können und die Strategie erfolgreich fortsetzen, könnte auch der darniederliegende Aktienkurs vielleicht zukünftig wieder bessere Zeiten erleben. Zu gönnen wäre es den Commerzbank-Aktionäre allemal…


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