Deutsche Bank: Rekordverlust!

21. Januar 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Unternehmensnachrichten

Am Ende kam es knüppeldick. Obwohl allen schon im Vorfeld bewusst war, das es absolut nichts zu feiern geben würde, wenn mit der Deutschen Bank Deutschland’s größte Privatbank ihre Ergebnisse für 2015 präsentiert. Auch die insgesamt guten Quartalszahlen amerikanischer Großbanken, die in der letzten Woche präsentiert wurden, spielen dabei keine Rolle, denn die Deutsche Bank ist anders.

Als aber bereits  heute überraschend vorläufige Zahlen zum Gewinn/Verlust der Deutschen Bank für 2015 über die Ticker liefen, dürften sich einige wohl doch nochmal zur Sicherheit den Schlaf aus den Augen gerieben haben. Denn obwohl man am Markt bereits von eine deftigen Verlust von 5 Milliarden Euro ausging, war’s das noch nicht. Denn die zahllosen Rechtsstreitigkeiten (bereits in Milliardenhöhe), der laufende (xte) Konzernumbau, hohe Abschreibungen im Bereich Investmentbanking und Privatkundengeschäft sowie schwächere Geschäfte im Wertpapierhandel sorgten für ein Rekordminus nach Steuern für 2015 von 6,7 Milliarden Euro. Damit hattten wohl die pessimistischsten Vertreter nicht gerechnet.

Dabei belasteten die laufenden Rechtsstreitigkeiten die Bilanz der Deutschen Bank alleine bereits mit der unglaublichen Summe von 5,2 Milliarden Euro, d.h. bereits damit wären die Erwartungen der Analysten „erfüllt“ gewesen.

Der neue Vorstand John Cryan steht also vor einer Mammutsaufgabe. Er muss den Konzern komplett umkrempeln, um wieder profitabel zu sein. Die amerikanischen Großbanken machen ihm in einem schlechten Marktumfeld vor, wie das geht. Wie schwer das aber für Cryan wird, zeigt alleine das Gezerre um eine Trennung von der Postbank sowie die Aufräumarbeiten, um die laufenden Rechtsstreitigkeiten zumindest auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Ganz zu schweigen vom Privatkundenbereich sowie einer Straffung des Filialgeschäfts. Hier sollens auch massive Entlassungen richten, 9.000 alleine in diesem Jahr (4.000 davon in Deutschland).

Bedenklich auch, dass auch bei der einstigen Cash-Cow der Bank, dem vom damaligen Vorstand Jain geförderten Investmentbanking, inzwischen mit 2,1 Milliarden Euro (nach Sonderkosten) kräftige Verluste fabriziert werden. Hier spielen das schwierige Marktumfeld sowie die stetig steigenden Regularatorien und Kapitalanforderungen eine große Rolle. Aber der Blick nach Amerika zeigt, das es trotzdem irgendwie geht.

Was die Anleger in letzter Zeit von der Entwicklung bei der Deutschen Bank, verbunden mit ständigen Richtungswechseln und Neuausrichtungen halten, lässt sich gut am Aktienkurs ablesen. Denn der kennt seit Wochen und Monaten nur eine Richtung. In den letzten 6 Monaten haben sich Papiere der Deutschen Bank um über 40 Prozent verbilligt, nur drei Werte im DAX waren schlechter. Auf Jahressicht liegen die Kursverluste bei 30 Prozent, auf 5-Jahres-Sicht sogar bei 57 Prozent. Alles die Zeiten, um für die Ausbildung der Kinder Deutsche Bank-Aktien ins Depot zu legen, sind lange vorbei.

Und auch gestern gehörten Deutsche Bank – Aktien mit Kursverlusten von 6 Prozent auf 17,72 Euro zu den ganz großen DAX-Verlierern und rutschten damit auf den tiefsten Stand seit 2008.

Momentan ist nicht die Zeit von Finanztiteln, und insbesondere nicht von Papieren der Deutschen Bank. Man darf gespannt sein, wie die Riege um John Cryan die Probleme in den Griff bekommen wird (und vor allem wann)…


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