DAX-Wochenausblick KW04/2016: Anleger setzen auf Kurserholung, Abwärtstrends aber weiter intakt – Notenbanken und Ölpreis weiter bestimmende Faktoren

25. Januar 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Newsletter

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Wochenrückblick
Zu Beginn der dritten Handelswoche hielten die Anleger erneut die Luft an, denn alles sah nach weiter kräftigen Kursverlusten aus. Der Hauptgrund waren diesmal nicht so sehr die chinesischen Börsen, vielmehr folgten die Märkte dem Ölpreis, der bis zur Wochenmitte weiter kräftig einbrach. Was am langen Ende dann irgendwie doch wieder auf einen möglichen Schwächeeinbruch der chinesischen Volkswirtschaft und damit verbundenen Nachfrageausfällen zusammenhängt. Zudem drückte das Ende des Ölembargos gegen den Iran auf die Notierungen, denn durch ein wieder produzierendes Förderland Iran dürfte sich die Angebotsseite nochmals erhöhen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel vergangenen Mittwoch auf nur noch 27,90 USD, ein Barrel WTI im Tief auf 27,60 USD.

Und die weiter abstürzenden Ölpreise erhöhen die Sorgen der Anleger vor einer deutlichen Abschwächung der Weltkonjunktur. Der DAX sackte bis zur Wochenmitte nochmal kräftig durch und markierte bei 9.315 Zählern ein neues Jahrestief. Und auch in der zweiten Reihe gaben MDAX, TecDAX & Co. weiter kräftig nach. Gebannt warteten die Anleger auf die EZB-Sitzung am Donnerstag und auf die Reaktion der Notenbänker auf die aktuellen Kurseinbrüche. Die reagierten wie erwartet und deuteten, neben weiter rekordniedrigen Zinsen, sogar eine Ausweitung der Liquiditätsschwemme durch noch massivere Ankäufe an den Anleihemärkten an. Diesen Strohhalm ergriffen die Anleger dankbar und kehrten an den Markt zurück. Als dann auch noch der Ölpreis zur Wochenmitte wieder kräftig anzog, gelang dem DAX auf Wochensicht sogar die Rückkehr in den Plusbereich. Am Ende der Woche stand ein Kursgewinn von 2,3 Prozent auf 9.764 Punkte. Nachbörslich legten die Notierungen weiter kräftig zu und am Freitag 22.00 Uhr wurde der DAX bei 9.823 Punkten gemessen.

In der zweiten Reihe stieg der MDAX um 2,2 Prozent auf 19.216 Zähler, der TecDAX um 3,3 Prozent auf 1.668 Punkte.

Wochengewinner
Obwohl die Bilanzberichtssaison weiter an Fahrt gewinnt, geht dies aktuell durch die bestimmenden Themen Ölpreiscrash und Chinaschwäche weitgehend unter.

In der abgelaufenen Woche kräftig zulegen konnten Versorgerwerte. Hier spekulieren die Anleger auf eine Trendwende, nachdem E.ON und RWE seit Jahren zu den ganz großen Verlierern zählen. Zumal sich die Geschäfte offenbar wieder stabilisieren und dieses Jahr ganz üppige Dividenden locken. Ebenfalls kräftig zulegen kann adidas, nachdem der bisherige Henkel-Vorstand ab Oktober die Geschäfte beim Sporthändler übernehmen wird.

Immobilienwerte gewinnen, nachdem die EZB verkündet, an ihrer Niedrigzinspolitik vorerst nichts zu ändern. Das macht Kredite fortgesetzt extrem günstig und viel Geld dürfte weiterhin in den Immobilienmarkt fließen.

Im TecDAX profitieren Aktien der Software AG von sehr guten Quartalszahlen während Papiere von Aixtron nach den zuletzt starken Kursverlusten nach positiven Analystenkommentaren wieder gekauft werden.

Insgesamt legten die Top-Performer in DAX, MDAX und TecDAX in der abgelaufenen Woche wie folgt zu:

DAX

  • RWE: +10,72 Prozent
  • adidas: +8,65 Prozent
  • E.ON: +8,44 Prozent
  • Infineon: +8,22
  • Vonovia: +7,7%

MDAX

  • OSRAM: +7,5 Prozent
  • Lanxess: +7,1 Prozent
  • Salzgitter: +6,7 Prozent

TecDAX

  • SMA Solar:  +11,5 Prozent
  • Software AG: +11,0 Prozent
  • Aixtron +9,0 Prozent

Nur leichte Kurserholung in den USA
Auch in den USA haben sich ab der Wochenmitte die Kurse kräftig erholt. Angesichts der Kursverluste zu Wochenbeginn fällt das Wochenplus mit 0,6 Prozent auf 16.093 Punkte allerdings mager aus. Der breiter gefächerte S&P500-Index legte auf Wochensicht um 1,3 Prozent auf 1.906 Punkte zu. Auch für die USA gilt: Der Markt befindet sich weiter im intakten Abwärtstrend und noch sind keine Signale für eine Trendwende erkennbar.

Ölpreis mit Bärenmarktrallye zur Wochenmitte
Zu Wochenbeginn geriet der Ölpreis nochmals kräftig unter Druck. Die Preise litten vor allem unter erneut schwachen Konjunkturdaten aus China sowie der Aufhebung des Ölembargos gegen den Iran. Nun dürfte auf von dort zusätzliches Angebot in einen bereits gesättigten Markt drücken. Experten nennen Zahlen von bis zu 500.000 Barrel Rohöl pro Tag, was für weiteren Preisdruck sorgt. Nachdem der Ölpreis zur Wochenmitte neue Tiefs markiert hat, setzt bis zum Freitag eine kräftige Gegenbewegung ein. Von Mittwoch bis Freitag legt Öl der Nordseesorte Brent um knapp 16 Prozent auf 32,73 USD zu. Alleine am Freitag klettert der Kurs um 8 Prozent.

Beim Blick auf das größere Bild sieht man allerdings, dass sich der Ölpreis weiter in einem intakten Abwärtstrend befindet und die aktuelle Gegenreaktion eher technischer Natur gewesen sein dürfte. Die Gefahr weiterer Rückgänge ist noch lange nicht gebannt, zumal sich an den fundamentalen Faktoren nichts geändert hat.

Ölpreis und Notenbanken bestimmende Themen der kommenden Woche – Märkte bleiben angeschlagen und Nervosität hoch
Nachdem in der letzten Woche die EZB klar signalisiert hat, die Märkte weiter mit Liquidität zu fluten und gegebenenfalls die Geldpolitik sogar noch weiter zu lockern (ja, das scheint tatsächlich noch zu gehen), steht in der kommenden Woche die amerikanische Notenbank FED im Blickpunkt der Anleger. Am Dienstag und Mittwoch tagen die US-Notenbanker in Washington über ihre weitere Geldpolitik, auch im Hinblick auf die Marktturbulenzen im neuen Jahr. Man darf gespannt sein, ob die vielbeschworene und zuletzt zaghaft eingeleitete Zinswende ihre Fortsetzung findet, oder ob die Banker um Frau Yellen bereits wieder die Bremse ziehen und angesichts der Sorgen um die konjunkturelle Situation eine Kehrtwende machen.

Neben der FED wird der Ölpreis weiter bestimmendes Thema bleiben. Trotz der deutlichen Kurszuwächse Ende letzter Woche dürfte der Preisverfall wohl vorerst weitergehen bzw. der Preis auf dem niedrigen Niveau verharren. Denn die Nachfrageseite schwächelt, dem steht ein großes Überangebot gegenüber, da Länder wie Saudi-Arabien und Russland trotz Niedrigstpreisen fleißig weiterpumpen (müssen). Dazu gesellt sich nun auch noch der Iran. Eine Entspannung beim Ölpreis ist nicht in Sicht, zudem werden die Schwankungen beim Preis weiter sehr hoch bleiben. Und gerät der Ölpreis erneut unter Druck, dürften das direkt wieder auf den Aktienmarkt durchschlagen.

Weshalb in der kommenden Woche auch am deutschen Aktienmarkt, trotz der Erholung zum Wochenschluss, das Risiko neuerlicher Kursrückgänge weiter sehr hoch bleibt. Vieles deutet auf eine kurze „Bärenmarkt-Rallye“ hin, also eine technische Gegenreaktion in einem intakten Abwärtstrend. Der DAX bewegt sich momentan nur knapp über den Tiefs aus dem letzten September, hier befindet sich in Bereich 9.430/50 Punkten ein wichtiger Unterstützungsbereich, der zwar letzte Woche im Wochentief kurz unterschritten wurde, aber nach der Rückeroberung nun als wichtiger Anhaltspunkt gilt. Diesen Bereich bzw. das Wochentief aus der letzten Woche sollten Anleger auf der Unterseite unbedingt im Blick behalten. Ein nachhaltiges Unterschreiten dieser Marken könnte sogar Kursverluste in Richtung der Tiefs auf dem Jahr 2014 im Bereich von 8.750 Punkten nach sich ziehen.

Auf der Oberseite könnte im positiven Fall die kleine Kurserholung den DAX noch bis in Bereiche von 10.125 Punkten führen. Große Vorsicht ist auf jeden Fall weiter angebracht, bevor nicht die Signale für eine wirkliche Trendumkehr deutlicher werden.

Aktuell wird der DAX bei Lang & Schwarz leicht oberhalb des offiziellen Schlusskurses vom letzten Freitag bei 9.820 Punkten gehandelt. Im Bereich 9.800 Zähler könnte der DAX dann auch in den Montagshandel starten.

Wichtige Wirtschaftsdaten der kommenden Woche
In der kommenden Woche stehen neben der FED-Tagung weitere wichtige Konjunkturtermine auf dem Programm. Besonders sollten Anleger dabei auf:

  • den Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland (Montag),
  • den US-Chicago FED National Activity Index (Montag),
  • die-Verbraucherstimmung der Uni Michigan (Montag) ,
  • den US State Street Investor Index (Dienstag),
  • das US-Verbrauchervertrauen (Dienstag),
  • den GfK-Konsumklimaindex für Deutschland (Mittwoch),
  • das US-BIP 4. Quartal (Mittwoch),
  • die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Donnerstag),
  • deb Chicago-Einkaufsmanagerindex (Freitag) und
  • die anstehenden Hausverkäufe USA (Freitag)

legen.

Wichtige Unternehmenszahlen der kommenden Woche
Die Bilanzberichtssaison nimmt in den USA nun richtig Fahrt auf. Mit besonderer Spannung dürften die Anleger auf die Bilanzen von Amgen, AT&T, Johnson & Johnson, Procter & Gamble, Apple, ebay, Qualcomm, Texas Instruments, Boeing, Visa, Caterpillar, Amazon und Microsoft blicken.

Hierzulande beschränkt sich die Berichterstattung noch auf Unternehmen der zweiten und dritten Reihe. Aus der ersten Reihe stehen nächste Woche vorerst nur die Zahlen von Siemens (Dienstag) auf dem Programm.

Die gute Nachricht zum Schluss
Und die kommt auch heute von einem unserer Wikifolios. Denn nachdem, wie letzte Woche kurz vorgestellt, das erst zu Jahresbeginn aufgelegte Wikifolio „Swing- & Positionstrading KEIII“ weiter kräftig zulegen kann (das Plus nach den ersten drei Wochen liegt bereits bei 24,8 Prozent!), liegt auch das Ende letzten Jahres aufgesetzte Wikifolio „Trendfolgestrategie KEII“ gegen den allgemeinen Markttrend mit 1,4 Prozent im Plus. Und beide Wikifolios sind bereits im Status „Publiziert“, die Vormerkungen liegen bereits bei 3 bzw. 7 Personen. Viel fehlt also nicht mehr, dann sind beide investierbar.

In diesem Sinne: Allen eine erfolgreiche Handelswoche.

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