DAX-Wochenausblick KW 02/2016: China dürfte Aktienmarkt auch in der neuen Woche in Atem halten, Unsicherheit bleibt hoch – Alcoa startet Bilanzsaison in den USA, SAP, Continental, Metro in Deutschland

11. Januar 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Newsletter

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China sorgt für schlechtesten DAX-Jahresstart
Die strauchelnde chinesische Börse hat die Anleger in der ersten Handelswoche des neuen Jahres in Atem gehalten. Gleich zweimal musste der Handel in China kurz nach Börsenstart wieder ausgesetzt werden, nachdem bereits in den ersten Minuten die Kurse erst um fünf und nach Wiedereröffnung direkt weiter um mehr als sieben Prozent einbrachen. Selbst der chinesischen Börsenaufsicht kamen dann Zweifel an der Wirksamkeit dieses Instruments, so dass es kurz nach Einführung letzten Freitag bereits wieder ausgesetzt wurde.

An der chinesischen Börse geht die Sorge um, dass die Wirtschaft des Landes dramatisch abstürzen könnte. Und diese Sorge zieht die Leitbörsen in der restlichen Welt mit in die Tiefe, denn die Rede ist hier von der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Ein Kollaps hätte fatale Auswirkungen auf den Rest der Welt. Verzweifelt versucht die chinesische Regierung, durch eine stetige Abwertung des Yuan die Exporte wieder anzukurbeln, bisher ergebnislos. Im Gegenteil: Durch die stetigen (erfolglosen) Abwertungen sinkt das Vertrauen der Anleger zusätzlich. Wird ihnen doch eindrucksvoll vorgeführt, wie nutzlos und verzweifelt die Stabilisierungsversuche sind.

Zum anderen droht gleichzeitig die Gefahr eines Währungskrieges, denn auch andere Nationen könnten auf die Idee kommen, ihre Währung zu Gunsten der eigenen Exporte abzuwerten. Ein gefährlicher Kreislauf käme in Gang, der die ohnehin schon brenzlige Situation noch verschärfen könnte.

An den Rohstoffmärkten sind die Sorgen um einen drastischen Einbruch der chinesischen Wirtschaft bereits angekommen. Der Ölpreis markiert den tiefsten Stand seit 2004, und auch die Preise für Industriemetalle wie Kuper, Zink und Nickel fallen immer weiter. Auch hier die Sorge, dass die Nachfrage aus China bei einem Einbruch der chinesischen Wirtschaft ebenfalls kräftig einbrechen könnte.

Katastrophaler DAX-Start ins neue Jahr – Auch die zweite Reihe verliert kräftig
In diesem Umfeld verlief der Start in das neue Jahr auch an der deutschen Börse denkbar schlecht. Deutschlands Leitindex DAX legt mit einem Wochenverlust von 8,3 Prozent auf 9.849 Punkte den schlechtesten Jahresstart überhaupt hin. Und hat damit gleichzeitig fast den gesamten Jahresgewinn 2015 von 8,7 Prozent vernichtet.

Exemplarisch für die große Nervosität der Anleger war der vergangene Freitag. Nachdem der DAX rund 100 Punkte höher bei rund 10.000 Punkten in den Handel gestartet ist, stieg er nach besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarkdaten am frühen Nachmittag in der Spitze bis auf 10.110 Punkte, nur um in der Folge bis zum Handelsschluss wieder kräftig bis auf 9.849 Punkte nachzugeben. Noch kräftiger abwärts ging es dann nach dem offiziellen Börsenschluss, denn im Späthandel verlor der DAX nochmal gut 100 Punkte und wurde 22:00 Uhr bei 9.757 Zählern gemessen. Das zeigt auch, dass die US-Arbeitsmarktdaten – eigentlich immer die wichtigsten Konjunkturdaten des Monats – angesichts der Sorgen um die weitere Entwicklung in China momentan nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Und auch in der zweiten Reihe Kursverluste, so weit das Auge reicht. Der MDAX verbucht ein Kursverlust von knapp 7 Prozent auf 19.321 Zähler, der TecDAX gibt 6,25 Prozent auf 1.725 Zähler nach.

Unsicherheit dürfte in der neuen Woche anhalten
Und die Unsicherheit dürfte auch in der neuen Woche der ständige Begleiter der Marktteilnehmer sein, verbunden mit einer großen Schwankungsbreite und heftigen Kursausschlägen. Während einzelne Experten auf dem reduzierten Kursniveau erste Kaufkurse erkennen wollen, rät die Mehrheit davon ab und sieht weiteren Abgabedruck auf den Märkten, da die Luft aus der chinesischen Spekulationsblase noch nicht entwichen sei.

Das Hauptaugenmerk dürfte weiter auf der Entwicklung der chinesischen Börse liegen, die inzwischen maßgeblich die Richtung der wichtigsten Börsen der Welt vorgibt. Deshalb werden Anleger gespannt auf neue Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte blicken.

Wichtige Konjunkturdaten der Woche
Zu Wochenbeginn werden die chinesischen Erzeuger- und Verbraucherpreise bekannt gegeben, am Mittwoch dann Daten zum chinesischen Außenhandel. Bestätigen diese die wirtschaftliche Abschwächung Chinas, könnte das für neue Kursverluste an den chinesischen Börsen führen, mit den bekannten Folgen für den deutschen Aktienmarkt.

Ebenfalls gespannt dürften Anleger aber diese Woche auch über den großen Teich blicken, wenn dort am Freitag die Einzelhandelsumsätze für den Dezember bekannt gegeben werden. Denn generell ist der private Konsum mit rund 70 Prozent vom US-BIP die Haupttriebfeder für die US-Wirtschaft, und der Dezember mit dem Weihnachtsgeschäft der mit Abstand wichtigste Monat. Außerdem stehen in den USA im Wochenverlauf u.a. noch

  • die Verbraucherstimmung der UNI Michigan (Montag)
  • Zahlen zu den Umsätzen im Großhandel und zur Lagerhaltung (Montag)
  • Daten zum US-Staatshaushalt (Mittwoch)
  • US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Donnerstag)
  • der NY Empire State Index (Freitag) und
  • Daten zur US-Industrieproduktion (Freitag)

auf dem Programm.

US-Bilanzberichtssaison startet
Ebenfalls einen großen Einfluss auf die Kursentwicklung der kommenden Woche dürfte die traditionell durch den US-Aluminiumkonzern startende Bilanzberichtssaison haben. Weitere große US-Unternehmen, die im Wochenverlauf über das abgelaufene Quartal berichten werden, sind u.a. JPMorgan, Intel, die Citigroup und Wells Fargo.

Aus deutscher Sicht besonders interessant dürften die anstehenden Zahlen des Automobilzulieferers Continental (Montag), des Handelskonzerns Metro (Dienstag), und des Kosmetikkonzerns Beiersdorf (Donnerstag) sein. Außerdem rechnen Experten damit, dass Europas größter Softwarekonzern SAP bereits in der kommenden Woche eine vorgezogene Bilanz veröffentlichen könnte.

DAX-Indikation deutlich unter Freitagsschluss
Der DAX dürfte entsprechender der aktuellen Indikation am Montag erneut schwächer in den Handel starten. Lag der offizielle Schlusskurs am Freitag nach einem Tagesverlust von 1,3 Prozent bei 9.849 Punkten, fiel der DAX im späten Handel bis auf 9.757 Punkte. Und die aktuelle Indikation bei Lang & Schwarz sieht den DAX momentan weiter schwach bei 9.778 Punkten. Noch schwächer, nämlich bei 9.742 Zählern, wird er aktuell bei IG Markets gehandelt.

Und auch die Statistik spricht jetzt gegen schnell wieder steigende Kurse. Denn verlor der DAX in den letzten 30 Jahren in den ersten fünf Handelstagen, dann gab das in 75 Prozent der Fälle auch die Richtung für das Gesamtjahr vor.

Aber auf der anderen Seite gibt es ja auch keine Regel ohne Ausnahme…

 

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