Kursverluste bei Leoni: Wenn die gute Auftragslage nervt…

11. November 2015 | Von | Kategorie: Leitartikel, Unternehmensnachrichten

Die Situation ist schon paradox. Da fließen die Aufträge nur so herein beim Automobilzulieferer Leoni, aber das Unternehmen ächzt schwer unter diesem Zustand. So schwer, das die frisch veröffentlichten Quartalszahlen für das 3. Quartal deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben. Das EBIT sank gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode um 14 Prozent auf 29,8 Millionen Euro, der Gewinn ging um 2,9 Prozent auf 15,6 Millionen zurück. Lediglich der Umsatz stieg – als Ergebnis der guten Auftragslage – kräftig um 9,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Und für das Gesamtjahr sah sich Leoni sogar genötigt, aufgrund der aktuellen Lage, die EBIT-Prognose kräftig von 200 auf nur noch 130 Millionen Euro anzupassen. So dass sich hier der eigentlich erfreuliche Umstand von prall gefüllten Auftragsbüchern ins Gegenteil verkehrt.

Der Grund für die Probleme ist die Auftragsflut in einem Werk des Unternehmens in Rumänien, das die Auftragsflut bei Bordnetz-Systemen nicht in den Griff bekommt. Fehler im Projektmanagement und nicht ausgereifte Steuerungsmechanismen sorgen für massive Verzögerungen. Zudem muss zur Bewältigung der Auftragslage sehr viel neues Personal eingestellt werden, was die Personalkosten im die Höhe drückt. Die Lage war teilweise so angespannt, dass kürzlich sogar der für das Bordnetz zuständige Vorstand sein Mandat niedergelegt hat. Offiziell natürlich freiwillig.

Aber der Leoni-Vorstand ist sich sicher, die Lage zügig in den Griff zu bekommen, so dass 2016 der eigentlich positive Umstand voller Auftragsbücher auch in der Bilanz seinen Niederschlag findet.

An der Börse sorgte die Gewinnwarnung von Leoni zuletzt für schlechte Laune bei den Anlegern. Bereits seit Mai, als die Aktie bei knapp 63 Euro ihren Höchststand markierte, hat sich der Kurs bis jetzt fast halbiert. Im Zuge der schlechten Nachrichten der letzten Tage haben Leoni-Aktien den Abwärtstrend nochmals beschleunigt. Gestern waren die im MDAX gelisteten Papiere mit einem Tagesverlust von 5,14 Prozent auf 34,70 Euro der größte Verlierer im MDAX.

Man darf sich jetzt die Frage stellen, ob die zuletzt starken Kursverluste – resultierend aus einem zu hohen Auftragsbestand – gerechtfertigt sind. Sollte Leoni die Situation in Zukunft wieder in den Griff bekommen und der hohe Auftragsbestand auch wieder zu steigenden Gewinnen führen, dann könnte das aktuelle Kursniveau durchaus langsam wieder interessant für einen Einstieg sein.


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