Yahoo einmal komplett zum Nulltarif bitte bzw. was anfangen mit dem vielen Geld?

22. Oktober 2014 | Von | Kategorie: Leitartikel

Der Online-Dinosaurier, zigfach totgesagt und immer noch unter den Lebenden, hat gestern zum gefühlt 1000ten Mal Quartalszahlen präsentiert. Die wie immer mit „naja, geht so“ von allen Seiten kommentiert wurden. Gleichzeitig der regelmäßige Verweis auf die hohen Cash-Bestände, auf die Versuche von Frau Mayer, irgendwann die Wende hinzukriegen, sei es durch Zukäufe oder durch Zuwächse bei den mobilen Werbeumsätzen.

Rausgekommen ist im letzten Quartal auch das übliche, Quartalsumsatz um ein Prozent auf 1,09 Mrd. USD gesteigert. Aber immerhin, der Anteil am mobilen Werbeumsatz stieg deutlich auf 200 Mio USD, also rund 20 Prozent vom Gesamtumsatz. Bei Facebook sind das inzwischen mehr als 60 Prozent, aber die Richtung stimmt schon mal. Leider gingen allerdings – auch wie immer – die Umsätze bei der Display-Werbung neuerlich um 6 Prozent zurück. Bleibt also wieder nur die Hoffnung, dass es mit den nächsten Quartalszahlen besser wird.

Aber halt! Haben wir nicht was vergessen? Ja genau, da ist noch Alibaba. Und genau hier wird es jetzt endlich mal interessant bei Yahoo. Denn aufgrund der Beteiligung am chinesischen Internetgiganten, der kürzlich für den größten Börsengang in der Geschichte gesorgt hat, konnte Yahoo einen Quartalsgewinn von 6,8 Mrd. USD einfahren, also ungefähr den sechsfachen Quartalsumsatz. Im Vorjahr lag der Quartalsumsatz bei 297 Mio USD. Das ist natürlich nur ein einmaliger Sondereffekt, aber sei’s drum, die Kohle ist erstmal da. Zudem besitzt Yahoo immer noch einen signifikanten Anteil an Alibaba, der momentan so um die 36 Mrd. USD wert sein dürfte.

Gestern ging Yahoo mit 40,18 USD aus dem Handel. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von 39,96 Mrd USD. Nachbörslich legte Yahoo noch bis auf 41,68 USD zu, so dass wir mal nicht kleinlich sind und Yahoo mit ca. 40 Mrd. USD bewerten. Und dabei fällt uns auf, dass die 40 Mrd. USD immer noch weniger sind, als die Summe aus der noch vorhandenen Alibaba-Beteiligung von ca. 36 Mrd. USD und dem Quartalsgewinn von 6,8 Mrd. USD. Was bedeutet, dass alle, die aktuell eine Yahoo-Aktie kaufen, diese quasi zum Nulltarif bekommen.

Ist zu einfach? Genau.  Die noch vorhandene Beteiligung ist auf dem Papier rund 36 Mrd. USD wert. Würde Yahoo alles zu Cash machen wollen, käme sicher deutlich weniger raus. Gleichzeitig steht Yahoo vor dem Problem, was mit dem bereits aus dem Alibaba-Börsengang eingenommenen Cash gemacht werden soll. Wird es für sinnvolle Zukäufe genutzt, die ihrerseits wieder eine hohe Rendite erzielen, dann wäre Yahoo ein sinnvolles Investment. Aber die Vergangenheit hat auch gezeigt, das Yahoo mit seinen Zukäufen nicht unbedingt immer ein goldenes Händchen hat. Und milliardenschwere Zukäufe, z.B. großer Blognetzwerke, die dann kaum zu monetarisieren sind, bringen Reichweite, mehr aber auch nicht. Und nur Reichweite zahlt keine Dividende.

Das einfachste wäre natürlich, Yahoo kann alle restlichen Alibaba-Anteile verkaufen, erzielt dort ungefähr den aktuellen Marktpreis und schüttet alles über eine Sonderdividende an die Aktionäre aus. Denn würden die 40 Mrd. USD vollständig an die Aktionäre zurückgegeben, dann wäre ein Kauf von Yahoo auf dem aktuellen Kursniveau tatsächlich fast zum Nulltarif erfolgt. Ohne Alibaba-Beteiligung würde sich anschließend der Yahoo-Kurs auch dort einpendeln, wo der wirkliche Wert des operativen Yahoo-Geschäfts liegt. Wäre natürlich allen Aktionären nach Erhalt der Sonderdividende egal, denn diese hätten den Einstandskurs vollständig amortisiert.

Natürlich wird es so nicht kommen. Yahoo wird weiter versuchen, die Kurve zu kriegen und das auch weiter mit Zukäufen. Denn nur operativ ist offenbar wirklich nicht mehr viel drin. Bleibt für die Aktionäre zu hoffen, dass sich Akquisitonen besser entwickeln und langfristig entdlich wieder zu deutlicheren Steigerungen von Umsatz und Gewinn bei Yahoo beitragen.

 


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