Die Mär vom Anlagenotstand

15. November 2012 | Von | Kategorie: Kolumnen

 

Holger von Der Privatanleger und Ulrich vom Value Blog haben vor Kurzem unter dem Schlagwort „Anlagenotstand“ zu einer Blogparade aufgerufen, der ich mich mit diesem Artikel gerne anschließen möchte.

Bildquelle: © Gerd Altmann / PIXELIO

Ich finde das Schlagwort gut gewählt, denn all die momentanen Diskussionen um den sogenannten „Anlagenotstand“ kann ich absolut nicht nachvollziehen und hatte deshalb schon länger geplant, hier mal einen entsprechenden Artikel zu schreiben.

Seit der Wiederwahl von Barack Obama zum US-Präsidenten Mitte letzter Woche taumeln die Märkte weltweit. Der Dow Jones hat seit dem ca 700 Punkte abgegeben, der DAX im selben Zeitraum etwas mehr als 300 Punkte. Offensichtlich ist die die Korrektur, vor der Experten schon seit einiger Zeit warten, denn zur Erinnerung: Seit Juni diesen Jahres ist alleine der DAX um mehr als 1.000 Punkte gestiegen. Dass das nicht ewig so weitergehen kann, war wohl auch dem größten Laien an der Börse klar. Weshalb mich auch die aktuellen Aufschreie über fallende Kurse allerorts verwundern. Als Ursache wird überall „Fiskalklippe“ und „Griechenland schon wieder pleite“. Aber mal ehrlich: In den USA wird es eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten geben, denn die Politik wird die größte Volkswirtschaft der Welt nicht sehenden Auges und absichtlich in eine tiefe Rezession abrutschen lassen. Schließlich gibt es irgendwann mal wieder Wahlen. Und zum Thema Griechenland gibt es nicht allzu viel zu sagen, denn alles wurde bereits gesagt. Und vermutlich werden wir in 10 Jahren noch schreiben, dass die Griechen wieder pleite sind.

Somit kommt die Korrektur, weil auch mal wieder eine Korrektur kommen musste. Und wer jetzt nicht den Weltuntergang vor Augen hat, der sieht aktuell einfach nur fallende Kurse, die Unternehmen, die z.T. zu aktuellen Notierungen nette Dividendenrenditen bieten, weiter fallen. Und selbst mit limitierten Mathematikkentnissen kann man erkennen, dass bei fallenden Kursen und gleichbleibenden Dividendenzahlungen die Dividendenrenditen steigen. Und da es den meisten Unternehmen in Deutschland gut geht (was auch die zurückliegende Berichtssaison gezeigt hat), kann man sich über aktuelle Kursrückgänge eigentlich freuen. Denn das bietet die Möglichkeit, noch günstiger in gute Unternehmen und hohe Dividendenzahlungen investieren zu können. Weshalb ich in der aktuellen Situation absolut keinen Anlagenotstand erkennen kann, sondern im Gegenteil jede Menge interessante Anlagemöglichkeiten, für die leider mein zur Verfügung stehendes Kapital gar nicht ausricht.

Dazu reicht alleine schon der Blick in DAX und MDAX, man muss sich also gar nicht in zu exotische Gefilde begeben. Eine Allianz, die kürzlich sehr gute Unternehmensnachrichten präsentierte, bietet fast 5 Prozent. Daimler schüttet an die Aktionäre rund 6 Prozent Dividende aus, BASF ca. 4 Prozent, eine Münchener Rück über 5 Prozent. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Oder der Blick in die zweite Reihe: Deutsche Euroshop ca. 5 Prozent, Fielmann fast 4 Prozent, Hannover Rück fast 5 Prozent, Leoni fast 6 Prozent. Man beachte: Ich habe jetzt hier keine tiefgreifende Selektion durchgeführt und auch nicht detailliert auf die Geschäftsentwicklung geschaut, sondern die Auswahl im Rahmen dieses Artikels einfach anhand eines Selektionstools nach dem Kriterium „Dividendenrendite“ durchgeführt. Beschäftigt man sich allerdings viel tiefgreifender mit der Materie, findet man noch viel mehr hochinteressante Unternehmen, die als Dividende recht viel Geld ausschütten. Was mit jedem Kursrückgang prozentual auf das eingesetzte Kapital mehr wird.

Klar, man sollte sich unbedingt vor einer Investition mit den mittel- und langfristigen Geschäftsaussichten der Unternehmen auseinandersetzen. Denn was nützt mir ein Unternehmen, dass heute 5 Prozent Dividende zahlt, deren Kurs sich aber in den nächsten 3 Jahren halbiert und auch die Dividende wegbricht. Dann sind auch ein Prozent Tagesgeld viel. Aber das wird natürlich auch jeder Leser hier wissen, denn das  ist ja auch die ureigenste Aufgabe eines Investors am Aktienmarkt, sich intensiv mit interessanten Werten zu beschäftigen und dann zuzuschlagen, wenn sich wirkliche Top-Kaufgelegenheiten ergeben. Und natürlich werden Kurse auch mal unter den Einstandskurs fallen, denn wer erwischt schon immer den optimalen Kurs. Aber hey: Wir investieren hier langfristig in qualitativ hochwertige Divdendentitel, die jährlich ein nettes passives Einkommen ausschütten sollen, weshalb kurzfristige Kursschwankungen eher weniger interessieren.

Wer das aber tut, dem bietet sich meiner Meinung nach momentan und in der Zukunft kein Anlagenotstand, sondern eher ein Dividendenhimmel. Aber in diesen Genuss kommt nur der, der sich intensiv mit der Materie beschäftigt, was natürlich auch mit Arbeit verbunden ist. Denn es gibt selten was geschenkt. Derjenige, der dazu keine Lust hat, für den bietet sich dann tatsächlich ein Anlagenotstand, denn ohne Arbeit gibt’s dann die ein  Prozent auf das Tagesgeldkonto.

Bildquelle: © Gerd Altmann / PIXELIO

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5 Kommentare auf "Die Mär vom Anlagenotstand"

  1. […] Die Mär vom Anlagenotstand ( am 15. November 2012 von kapitalmarktexperten.de ) […]

  2. […] Kapitalmarktexperten.de: Die Mär vom Anlagenotstand […]

  3. Holger sagt:

    Kleine Ergänzung, weil ich’s gestern noch gelesen habe: Die Dividendenrendite der Deutschen Euroshop liegt laut Unternehmenswebsite derzeit nur bei 3,7 Prozent: http://www.kapitalmarktexperten.de/2012/11/die-mar-vom-anlagenotstand

    Aber schlecht ist das natürlich dennoch nicht, und an der Aussage des Artikels ändert es schon gar nichts. 😉

    Viele Grüße

  4. Kapitalus sagt:

    Hi Holger,

    vielen Dank, hab’s auch grad nachgelesen. Hab mich da auf die Angeben einer großen deutschen Direktbank verlassen. Tja, man kommt um eine detaillierte Recherche einfach nicht drum rum 😉

  5. Rico sagt:

    Also mir gefällt die Idee des Dividenden-Himmels sehr gut 😉 Bei den aktuellen Dividenden-Raten kann man wirklich ins schwärmen kommen. Allerdings wurde ich persönlich bisher auch schon kalt erwischt, weil eben auch viele Traum-Renditen gekürzt wurden. Gerade in der Automobil-Industrie und bei den zyklischen Werten wäre ich hier sehr vorsichtig. Allgemein zeigen sich deutsche Dividenden-Titel nicht gerade besonders robust. Amerikanische Werte sind hier deutlich verlässlicher in ihrer Politik, aber dafür sind sie auch höher bewertet.

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