Trendaktien verlieren in schwachen Marktphasen überproportional viel. Diese einfache Weisheit hab ich bereits früher mal hier kund getan. Und dies bestätigt sich heute mal wieder eindrucksvoll, zum Leidwesen der Infineon-Aktionäre. Denn Infineon-Aktien verlieren heute in einem sehr schwachen Gesamtmarkt (Dax aktuell -2,7 Prozent) mehr als 8 Prozent und sind damit auch der Dax-Tagesverlierer.

Zum einen spielen natürlich Gewinnmitnahmen eine ganz große Rolle, denn bei einer Trendaktie wie Infineon, die im zurückliegenden Jahr von ca. 2 Euro auf Kurse von über 5 Euro angestiegen ist, sind Verkäufe in schwachen Börsenphasen leichter, denn die meisten Anleger liegen noch im Plus, nehmen also Gewinne mit. Und da wird psychologisch betrachtet eher realsiert, gesteht man sich doch durch den Verkauf kein Versagen ein, denn es wird ja noch Gewinn gemacht (leider werden die Verlustbringer im gleich Moment im Depot gelassen).




Zum anderen unterliegen Analysten auch der Schwerkraft und fangen sich immer erst recht spät an zu bewegen. Und deshalb werden Verkäufe bzw. die Anpassung von Zielkursen erst dann durchgeführt, wenn die Kurse generell bereits in diese Richtung laufen. So nun auch bei Infineon. Mit jedem weiteren Kursrückgang senken mehr Analysehäuser die Kursziele bzw. ändern ihre Einstufen von “kaufen” auf “halten” oder sogar “verkaufen”. So hat heute JPMorgan das Kursziel von Infineon gesenkt.

Dazu kommt nun auch noch – quasi als selbsterfüllende Prophezeiung - die Charttechnik. Denn aufgrund des einsetzenden Kursverfalls (Gründe siehe oben) fallen nun die Kurse durch verschiedene charttechnische Unterstützungen, die für andere Anleger wiederum Verkaufsmarken darstellten bzw. wo diese Stopps platziert hatten. Und prompt fällt der Kurs weiter.

Bei Infineon lag dieser langfristige Unterstütungsbereich bei ca. 4,50 – 4,70 Euro, der heute zur Börseneröffnung nach unten durchbrochen wurde und so die Verkäufe beschleunigt hat, aktueller Infineon-Kurs 4,25 Euro. Für eine nachhaltige Erholung von Infineon müsste die 4,70 Euro schnell wieder zurückerobert werden, da ansonsten weiterer Raum für Kurseinbußen vorhanden ist, inbesondere, wenn sich der Gesamtmarkt in den nächsten Wochen weiterhin sehr schlecht entwickelt.

Diese Einschätzung stellt lediglich die persönliche Einschätzung des Autors dar, deshalb bitte Disclaimer beachten!